Die Menschen

Hier die Menschen, die auf die eine oder andere Weise am Projekt Nant de Drance mitarbeiten.

Eine berufliche Gelegenheit vor der eigenen Haustüre

September 2013: Waschküche auf der Baustelle

Marie-Laure Hamon, Christophe Lugon und Stéphane Claivaz arbeiten alle drei auf der Baustelle Nant de Drance. Berichte von Mitarbeitern, angetroffen in der Kantine von Le Châtelard, Begegnungsort der Grossbaustelle 

Marie-Laure Hamon: aus der Bretagne in die Berge, aus Chamonix nach Le Châtelard, vom Tea-Room zur Raumpflege.

Marie-Laure Hamon, geboren 1963, stammt aus der Bretagne. Sie hat am 1. September 2009 auf der Baustelle Nant de Drance ihre Arbeit als Verantwortliche für die Raumpflege aufgenommen. Mit Judith Spiess als Vorgesetzte steht sie dem Reinigungspersonal der Arbeiterunterkünfte, Change House genannt, vor, welches die Räumlichkeiten, sanitären Anlagen und Büros reinigt, inkl. diejenigen im Tunnel und vor dem Portal. Marie-Laure Hamon schätzt die kulturelle Vielfalt auf der Baustelle sowie die Tatsache, dass sich die Probleme unkompliziert lösen lassen. „Wir sind zusammengeschweisst, wir verfolgen dasselbe Ziel.“

Anekdoten, die Bände sprechen

Im Zuge des Fortschreitens der Arbeiten auf der Baustelle und des Weggangs der Arbeiter zu anderen Baustellen wird die Equipe der Raumpflegerinnen verkleinert. « Wir waren mal ein Dutzend. Heute sind wir die Hälfte, aber noch immer schön „gemischt“. So habe ich eine Frau aus Finhaut, eine andere aus Vallorcine, zwei Portugiesinnen, eine Senegalesin und eine Russin aus Martigny im Team. » Dieser Nationenmix bereichert Marie-Laure Hamons Arbeit.

Auf die Frage, ob sie sich an gewisse Personen erinnere, erwähnt sie Leonardo, einen italienischen Arbeiter. „Er wollte sich in seinem Zimmer einen italienischen Caffè kochen. Anscheinend bekundete er beim Zudrehen seiner Kaffeemaschine Mühe. Plötzlich ertönte ein seltsames Geräusch. Beim Öffnen seiner Zimmertür sahen wir überall Kaffee! Das Lustigste aber war Leonardos Gesichtsausdruck. Ja, wir haben noch lange darüber gelacht.“

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September 2013: Abtransport des Ausbruchsmaterials aus der Maschinenkaverne

Christophe Lugon: der Fignolin und die guten Kerle

Christophe Lugon, geboren 1968, hat 1999 das Transportunternehmen seines Vaters übernommen. Zehn Jahre später kommt der aus Finhaut stammende Unternehmer der Anfrage der Nant de Drance SA nach und hat seither täglich rund 700 Tonnen Kies zur Betonfabrikation für die Baustelle befördert und bereitgestellt.

„Weil ich vor Ort bin, wurde ich auch arg gefordert, um kurzfristige Aufträge auszuführen, wie z.B. die Schneeräumung im Winter.“

Was sein Arbeitsvolumen betrifft, ist sich Christophe Lugon bewusst, dass es abnehmen wird. Vorübergehend profitiert er vollauf von dieser einmaligen wirtschaftlichen Gelegenheit vor seiner Haustüre. Er fügt an, dass er ein schönes Wochenende mit Pascal Montavon verbracht habe. „Das ist ein Baumaschinenmechaniker, der seine Werkstatt auf dem Bauplatz Collecteur Ouest hatte. Jetzt ist er nach Genf versetzt worden, kommt jedoch regelmässig hierher zurück. Er ist ein guter Kerl.“

Er ist nicht der einzige „nette Kerl“, mit dem Christophe Lugon Freundschaft geschlossen hat. Da ist auch Christian Gatti, der Platzchef aus Le Châtelard, ein Unterwalliser aus Massongex, der während der Woche in Finhaut wohnt, um nicht täglich pendeln zu müssen.

Obwohl der Unternehmer aus Finhaut überglücklich ist, an einem Grossprojekt wie Nant de Drance mitzuwirken, könnte er sich jedoch nicht vorstellen, seine Heimat zu verlassen und zu einer nächsten Grossbaustelle weiterzuziehen. „Ach nein, ich bleibe hier, bis ich in Rente gehe“, meint er entschieden,  „da gefällts mir zu gut. “

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Februar 2016: Schneeräumungsarbeiten in Le Châtelard

Stéphane Claivaz: der Werkleiter ohne Werk aus Salvan

Stéphane Claivaz, der 1973 in le Trétien geboren wurde, liess sich 2002 mit seiner Familie in Salvan nieder. 1997 nimmt er seine Arbeit im Elektrizitätswerk der SBB in Le Châtelard auf. Die SBB sind Teilhaber der Nant de Drance und so wurde Stéphane Claivaz ab Mitte 2009 „Delegierter“ seines Unternehmens auf der Grossbaustelle. Er ist dabei vor Ort verantwortlich für Unterhalt und Betrieb.

„Bis 2018, dem Jahr der voraussichtlichen Inbetriebnahme, bin ich Werkleiter eines Werkes ohne Werk“, bemerkt er belustigt. „Es ist eine grosse Chance für mich, schon beim Bau eines Kraftwerkes dieser Dimension dabei zu sein, bevor wir es in Betrieb nehmen.“

Eine Frage der Nähe

In der Tat werden die SBB das Pumpspeicherwerk Nant de Drance betreiben und den Betriebsunterhalt sicherstellen. Die Vorbereitung zur Übergabe der Aufgaben hat mit 10 Berufsleuten, für die Stéphane Claivaz verantwortlich ist, schon begonnen.

„Momentan zeigt sich eine Verlagerung von den Baumeisterarbeiten zu denen, die sich mit Wasserkraft befassen. Ende 2016 werden schon Installationen unter Spannung gesetzt. Wir werden einzelne Druckleitungen in Betrieb nehmen.“ Stéphane Claivaz` Team wird die Belegschaft des Werkes von Le Châtelard ergänzen. Es gilt dabei, Synergien eines Kraftwerkes und der Nant de Drance zu nutzen. Die meisten dieser Mitarbeiter werden aus der Region stammen und dies aus folgendem Grund: Es ist notwendig in der Nähe des Elektrizitätswerkes zu wohnen, um bei Problemen rasch vor Ort zu sein.

„Ich bin stolz darauf, zu diesem Projekt beizutragen“, meint er überzeugt. Nach 5 Jahren auf der Baustelle fühle ich mich mitverantwortlich. Meiner Gattin zufolge bin ich es sogar manchmal allzu sehr.“ Wie dem auch sei, Stéphane Claivaz freut sich auf die kommenden Herausforderungen.

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Eine unerwartete berufliche Chance

Mai 2015: Arbeiten in der Maschinenkaverne

Unmittelbar nach Abschluss seines Bauingenieurstudiums an der ETH in Lausanne wurde Raphaël Coquoz von einem Sittener Ingenieurbüro angestellt. Als Sahnehäubchen sah sein Arbeitsvertrag zwei Jahre Mitarbeit bei der örtlichen Bauleitung auf der Baustelle Nant de Drance vor. Kurz vor Abschluss seiner Tätigkeit auf der Baustelle des Pumpspeicherwerkes blickt der junge Walliser aus Salvan auf diese berufliche Bereicherung zurück.

„ Im Juli 2013 schloss ich meine Ausbildung an der ETH in Lausanne ab und beabsichtigte eigentlich eine Doktorarbeit anzuhängen. Im Anschluss an ein Praktikum, das ich während meines Studiums in einem Sittener Ingenieurbüro absolviert hatte, wurde mir eine zweijährige Anstellung auf dem Projekt Nant de Drance angeboten. Ich habe keinen Augenblick gezögert und zugeschlagen“, bezeugt Raphaël Coquoz begeistert. Vom 18. November 2013 bis Ende 2015 ist der junge Bauingenieur bei der  örtlichen Bauleitung (öBL) im Einsatz.

Mit einem solchen Projekt ins Berufsleben einzusteigen, stellt eine echte Chance dar. „Neben den NEAT-Baustellen Lötschberg und Gotthard oder dem Pumpspeicherwerk Linth-Limmern gibt es kaum Baustellen solchen Ausmasses in der Schweiz.“

Zu jeder Zeit vor Ort

Wie wird eigentlich ein junger Berufsmann frisch ab Ausbildungsstätte von den erfahrenen Berufsleuten aufgenommen? „Ich verstehe mich mit allen sehr gut. Ich schaue nicht auf sie herab, versuche die mit ihren Aufträgen einhergehenden Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und zögere nicht – falls nötig – mit anzupacken. So schätzen sie meinen Einsatz. Ich versuche, so oft als möglich vor Ort zu sein, auch bei schlechtem Wetter. Würde ich dies nur bei Sonnenschein tun, zweifelten sie womöglich an meinem Interesse für ihre Tätigkeit.“

Der Ingenieur gesteht, im Umgang mit diesen Leuten aus dem Untertag viel gelernt zu haben. „Sie sind mir punkto Wissensstand überlegen und stellen konkrete Anforderungen, denen ich mich schnellstmöglich stellen muss. 

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Juli 2015 Vieux Emosson: Arbeiten für die Ein- und Auslaufbauwerke

Einen handfesten Einstieg ins Berufsleben

Raphaël Coquoz sieht sich als Glückspilz. Er ist kaum mit Problemen konfrontiert. „Ich war mit der Überwachung der Injektionsarbeiten in den Vertikalschächten beauftragt. Im Gegensatz zur Ausbruchphase, in der man in unbekanntes Gestein vordringt, gibt es von der Geologie her keine bösen Überraschungen. Anschliessend habe ich Betonarbeiten beaufsichtigt. Auch da sind die verschiedenen Schritte eindeutiger. Es gilt vielleicht, den Armierungsplan anzupassen. Dies steht in keinem Vergleich zum Risiko, plötzlich auf eine Karstkluft zu stossen. Bei der Arbeit im Kalkgestein stellt dies ein hohes Risiko dar. Dies war u.a. der Fall beim Ausbruch des Zugangsstollens zum Rückhaltebecken des Vieux Emosson Sees. »

Die Tätigkeit des Bauingenieurs ist vielseitig und facettenreich. Deren eine besteht darin, die Bauunternehmung GMI, die mit den Baumeisterarbeiten betraut ist, darin zu überwachen, dass deren Mitarbeiter die Vorgaben einhalten, sei es bezüglich Qualität der Arbeit, Einhalten der Termine sowie des Budgets.

Andererseits obliegt Raphaël Coquoz und seinen Arbeitskollegen der örtlichen Bauleitung das Koordinieren und Abstimmen der Arbeiten der verschiedenen beteiligten Unternehmungen vor Ort.

Anfang Oktober 2015 ist die Bauleitung damit beschäftigt, den Verlauf der durch die GMI und Andritz ausgeführten Arbeiten im Zuge der Montage der Panzerrohre zu koordinieren.

Das Koordinieren der verschiedenen Einsätze stellt einen Hochseilakt dar. „AF Consult ist mit der Grobplanung beauftragt. Die örtliche Bauleitung ist für die Detailplanung zuständig. So entscheide ich z.B. nicht darüber, ob die 4. Turbine vor der 3. montiert wird. Vielmehr spreche ich mit der Unternehmung GMI ab, welche Mauer als erste betoniert werden muss. Ich bin dafür zuständig, die verschiedenen Einsätze zu koordinieren und gleichzeitig den durch den Vertrag gesteckten Rahmen einzuhalten. Man muss regelmässig kleine Zusatzarbeiten planen, wie z.B. den Bau einer Zufahrtsstrasse zu Baustelle“, erklärt Raphaël Coquoz.

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Juli 2015 Vieux Emosson: Arbeiten für die Ein- und Auslaufbauwerke

Anderer Ort – andere Ausrichtung

Nach zwei Jahren bei den Bauarbeiten der Vertikalschächte in Le Châtelard möchte der junge Bauingenieur aus Salvan in die Talebene zurückkehren. Auch wenn er die grossen Freiräume bei seiner Arbeit in Nant de Drance geschätzt hat, freut er sich nun darauf, beim Sittener Ingenieurbüro, wo er noch immer angestellt ist, Berechnungen, Projektierungen und Planungen auszuführen. „Gerne würde ich eines Tages auf ein Projekt wie die Nant de Drance zurückkehren. Jedoch kann ich mir nicht vorstellen, für eine solche Erfahrung mehrere Jahre im Ausland zu verbringen, wie es einige meiner Kollegen tun. Ich bin hier im Wallis verwurzelt.“

Während seines Einsatzes in den Höhen der Gemeinde Finhaut hat Raphaël Coquoz sich nie gegen die langen Arbeitszeiten gesträubt, die die Baustelle erfordert. „Wenns nötig ist, Überstunden zu leisten, dann tue ich das gerne.“

Auf dem Weg zurück in ein geordneteres Leben denkt der Walliser ebenfalls daran, an einem anderen Projekt zu bauen: am Familienleben. Seine Gattin ist Umweltingenieurin und arbeitet für den Staat Wallis. „Für sie war es schwieriger, eine Anstellung zu finden, während ich dagegen auf meinem Gebiet verschiedene Optionen habe“, meint er.

Das ist mit ein Grund, weshalb der junge Ingenieur den Eintritt ins Berufsleben einer Doktorarbeit vorgezogen hat. Vorübergehend wenigstens. Mit seinen knapp 30Jahren weist Raphaël Coquoz für einen Bauingenieur einen beachtenswerten Lebenslauf auf.

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Kompensations­massnahmen für die Renaturierung

Der Greyerzer Luc Gendre ist für die Kompensationsmassnahmen im Projekt Nant de Drance verantwortlich.

Fünfzehn Projekte mit einem Kostenumfang von 22 Millionen Schweizer Franken werden im näheren und weiteren Umkreis der Baustelle Nant de Drance realisiert. Sie kompensieren die durch den Bau des Pumpspeicherkraftwerks und der Hochspannungsleitung entstandenen Auswirkungen auf die Umwelt.

Wie jede Grossbaustelle hat auch der Bau des Pumpspeicherkraftwerks Nant de Drance Auswirkungen auf die Umwelt. Die Kompensationsmassnahmen sollen diese Eingriffe ausgleichen und das natürliche Gleichgewicht in der Natur wiederherstellen.

Die Bauherrschaft hat 15 Kompensationsmassnahmen mit einem Budget von 22 Millionen Franken ausgearbeitet, um den Forderungen des Bundesamts für Energie (BfE) zu entsprechen, welches die Konzession für die Arbeiten erteilt hat. „Die Umweltprojekte sollen nicht nur die Auswirkungen der Baustelle auf die Natur kompensieren, sondern auch jene der Hochspannungsleitung, welche das Pumpspeicherwerk mit dem Stromnetz verbindet“, erklärt Luc Gendre, Stabschef der Nant de Drance AG.

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Das Anlegen von Feuchtbiotopen begünstigt verschiedene Arten, wie z.B. die Gelbbauchunke oder den Grasfrosch, dessen Laich man erkennen kann.

Schaffung besonderer Biotope

Einzelne Projekte werden direkt im Baustellenperimeter umgesetzt wie beispielsweise die Standorte für die Lagerung des Ausbruchsmaterials aus Stollen und Kavernen. Diese Zwischenlagerflächen werden selbstverständlich zurückgebaut. „Im Rahmen der Kompensationsmassnahmen unternehmen wir sogar mehr“, unterstreicht Luc Gendre. So wird beispielsweise in Châtelard ein Lehrpfad eingerichtet.

„Andere Massnahmen werden im weiteren Umkreis der Baustelle umgesetzt. In Salvan befreien wir zum Beispiel die vom Gletscher geschliffenen Felsen von der Vegetation und machen sie damit sichtbar. Zudem machen wir die Verbuschung der Weiden rückgängig.“ Dieses Projekt liegt Luc Gendre besonders am Herzen, „Weil es in Zusammenarbeit mit den Landwirten der Region durchgeführt wird und die Berglandwirtschaft unterstützt.“

Andere Massnahmen sind von weitaus grösserem Umfang , wie diejenige in Verbindung mit der 3. Rhonekorrektion (R3). Diese sieht vor, das Flussbett der Rhone zu verbreitern, um dem Fluss bei Hochwasser mehr Raum zu geben. 

Der Grossteil der Massnahmen hat zum Ziel, einzelne Biotope zu schaffen, um die Wiederansiedlung gefährdeter oder verschwundener Tier- und Pflanzenarten zu begünstigen.

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Die Massnahme „Fond du Mont“ in Vernayaz unterstützt den Auenwald im Flurgebiet „La Grosse Pierre“ in seiner Funktion als natürlicher Luft- und Wasserreiniger.

Massnahmen mit sehr eng gestecktem Rahmen

Die Projekte sind sehr verschieden und die auferlegten Fristen für ihre Umsetzung ebenso. Die Arbeiten zur Massnahme „Fond du Mont“ werden in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Vernayaz ausgeführt und sind beinahe fertiggestellt. Sie zielen darauf ab, das trockengelegte Feuchtgebiet wiederherzustellen.

Dagegen müssen andere Arbeiten „Erst in einer Frist von fünf Jahren nach Inbetriebnahme des Pumpspeicherwerks Nant de Drance beendet sein“, präzisiert der Stabschef. „Die Umsetzung der Kompensationsmassnahmen wird sehr eng begleitet“, unterstreicht Luc Gendre.“ Jedes Projekt wird streng ausgewertet, was den Bundesbehörden die Prüfung der gesteckten Ziele erlaubt. Darüber hinaus werden die Arbeiten von einer Kommission begleitet. Diese hat eine beratende Stimme und vereint die verschiedenen Interessen aus Umweltschutzorganisationen (WWF, Pro Natura), Gemeinden, Staat sowie des Bundesamts für Umwelt. Die Gruppe, bestehend aus Vertretern mit unterschiedlichsten Interessen, versammelt sich in regelmässigen Abständen und kontrolliert die Erfüllung des Pflichtenhefts und das Einhalten der Fristen. Sie begleitet uns auch bei der Ausführung der Arbeiten, sagt Luc Gendre.

In ein paar Jahren – nach Fertigstellung der Arbeiten – wird sich die Natur ihren Raum zurückerobert haben. Dies nicht nur in der Gegend um Le Châtelard, sondern dank der Kompensationsmassnahmen in der ganzen Region.

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Die 15 Kompensationsmassnahmen

 

Im Baustellenperimeter sind vier Kompensationsmassnahmen für die Deponien in Le Châtelard, La Bierle, auf dem La Gueulaz-Pass und am Fuss der Staumauer Vieux Emosson vorgesehen. Auf den besagten Deponien wird Ausbruchsmaterial zwischengelagert. Nant de Drance wird Lehrpfade einrichten, Holzhaufen aufschichten, um das Wachstum der Biodiversität zu fördern sowie überwachsene, vom Gletscher geschliffene Felsen säubern.

- Die Starkstromleitung wird zwischen dem Kraftwerk Salanfe und Salvan in die Erde verlegt.

- In Salvan werden vom Gletscher geschliffene Felsen gereinigt und den Weiden wieder mehr Raum gegeben. Dies in Zusammenarbeit mit den Landwirten und Viehzüchtern der Region.

- Am Ausgang der Trient-Schlucht werden zwei Schwellen im Gewässer entfernt, damit die Fische besser passieren können.

- In Vernayaz wird das trockengelegte Feuchtgebiet wieder hergestellt.

- Das Bachbett des Trient wird zwischen der SBB-Brücke und der Autobahnbrücke verbreitert, um die Entstehung neuer Biotope zu fördern und dem Wasserlauf mehr Raum zu geben.

- Auf dem Gemeindegebiet von Dorénaz werden Arbeiten aufgenommen, um den Wasserfall Alesse zu sichern und ein Feuchtgebiet entstehen zu lassen. 

- Das Trientbachbett wird von seiner Mündung bis zur Brücke in Dorénaz erweitert. Dasjenige der Rhone wird ebenfalls verbreitert, um der Rhone bei Hochwasser mehr Raum zu gewähren. Diese Massnahme gilt als prioritär und wird im Rahmen der 3. Rhonekorrektion ausgeführt und grösstenteils finanziert.

- Rhoneaufwärts Richtung Martigny wird die Massnahme „Lac des sables“ umgesetzt. Sie besteht darin, einen Baggersee wieder herzustellen und ein Feuchtgebiet entstehen zu lassen. 

 - Auf dem Gemeindegebiet von Martigny wird das Bett des Bienvenue-Kanals erweitert, indem ein zweistufiges Gerinne gestaltet wird.

- In Zusammenarbeit mit der Gemeinde werden in Saxon die Dämme entlang der Kanäle entfernt, um die Biodiversität zu fördern und Hochwasser ausgleichen zu können.

- Im Weiteren hat ein langfristiges Projekt zum Ziel, die invasiven Neophyten (nicht-einheimische Pflanzen) zu bekämpfen, wie z.B. den Japanischen Staudenknöterich, der sich auf den Böschungen des Trient verbreitet hat.

 

JBCOMM, April 2015

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Ein einzigartiges Projekt

Hauptkaverne am 07.07.15

Mit seinen langen Stollen, seinen gigantischen Kavernen, seiner unterirdischen Einbettung, seiner Entfernung zum Tal, seinen zahlreichen Berufsgattungen lässt sich die Baustelle Nant de Drance kaum mit anderen Baustellen auf der Welt vergleichen. Die Verantwortlichen der Baustelle, die die verschiedenen Puzzleteile zur Übereinstimmung bringen müssen, sind ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert.

Ein ausserordentliches Projekt mit ungewöhnlichen Arbeiten. Der Bau eines Pumpspeicherwerkes in den Tiefen eines Berges zieht unweigerlich technische sowie auch logistische Probleme nach sich, die schnellstmöglich gelöst werden müssen.

Christoph Bucher des Planungsbüros AFC in Baden kann dies bezeugen, zumal er seit 2002, also von Anfang an, bei diesem Abenteuer dabei ist. Er war Projektleiter der Baustelle. „Wir sind bei null gestartet“, erinnert er sich. „Ich habe auf unserem Küchentisch zuhause begonnen mit den Kindern auf meinen Knien.“ Während des Vorprojekts arbeitete er mit Fotos, musste sich aber auch mit Arbeitskollegen vor Ort begeben. „Damals waren die Karten nicht genau und wir sind über französischen Boden zum Tal und zum See gelangt. Das war verrückt, aber interessant.“

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Hauptkaverne am 07.07.15

Stollen und Kavernen genau berechnen

Vom ersten Moment an traten die Schwierigkeiten, die mit einer Untertagbaustelle verbunden sind, in Erscheinung. „Übertag hat man Platz und Zubringerwege“, erklärt Christoph Bucher. „Im Projekt Nant de Drance mussten die Anzahl Zufahrtsstollen sowie deren Gefälle und Lichtraumprofil abgeschätzt werden, damit zwei Lastwagen sich kreuzen konnten. Auch die riesigen Kavernen mussten so dimensioniert werden, dass die Maschinen darin Platz fänden. Dabei mussten die geologischen Verhältnisse und die Rahmenbedingungen betreffend Umweltschutz berücksichtigt werden, sowie die Verwendung der zig tausend Tonnen Felsmaterial, das abgebaut und zutage gebracht würde.

Solche Fragen wurden mithilfe zahlreicher Ab- und Rücksprachen mit den in die Arbeiten involvierten Ingenieurunternehmungen geklärt, besonders in der Offertphase.

Die Aufgabe wurde angepackt. „2002 haben wir begonnen, 2008 hat uns die Gemeinde Finhaut die Baubewilligung erteilt, was ich nicht erwarte hätte“, erinnert sich Christophe Bucher gerührt.

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Definitives Bauprojekt

« Ist das Projekt einmal aus der Taufe gehoben, gilt es, Ausführungspläne zu erstellen », unterstreicht Nima Nilipour des Ingenieurbüros BG Ingénieurs Conseils in Lausanne und Projektverantwortlicher der Hauptkavernen (Maschinen- und Transformatorenkaverne). In dieser letzten Planungsphase „zeichnen wir möglichst detaillierte Pläne, denn sie stellen die Basis jeglicher Arbeiten dar“, erklärt Nima Nilipour. Zum jetzigen Zeitpunkt, da die Betonarbeiten begonnen haben, „befinden wir uns auf der Spitze der Planproduktion: Haben wir doch 120 Pläne in neunfacher Ausführung geliefert. Denn es braucht je 5 Exemplare pro Unternehmen, 2 für die örtliche Bauleitung und 2 für die Bauherrschafft. Das ist eine Menge Papier!“,  unterstreicht er.

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Lieferung eines Stahlteiles am 08.07.15

Die Logistik – eine Knacknuss

« Die grösste Herausforderung liegt in der Dimension der Baustelle », unterstreicht Christophe Bucher, der für die Leitung der Arbeiten in den beiden Hauptkavernen verantwortlich ist. „Weltweit gibt es nur wenige Kavernen dieser Grösse, auch mit bescheidenem Ausbau“, fügt Nima Nilipour an, der die Stabilität des Gewölbes mit 3D-Modellen berechnet hat.

Eine weitere Knacknuss stellt die zeitgleiche Präsenz vieler Akteure auf der Baustelle dar – Unternehmen, Lieferanten, Ingenieurbüros und Vertreter der Bauherrschaft. Das setzt logistische Kunststücke voraus, denn „es gilt, die Arbeiten der verschiedenen Berufsgruppen zu koordinieren und gleichzeitig die Ausführungspläne zu respektieren“, führt Christophe Bucher aus. Oft sind die Verantwortlichen gezwungen, wichtige Entscheide 6 Monate im Voraus zu treffen und allzeit bereit zu sein, schnell und überall zu reagieren.“

Zu diesen Schwierigkeiten gesellt sich die technische Komplexität des Projekts. Bei den Turbinen, die in Nant de Drance installiert werden, handelt es sich in der Tat um Prototypen. „Ähnliche Maschinen sind im Pumpspeicherwerk Linthal in Betrieb. So können wir von Erfahrungen profitieren“, meint Christophe Bucher.

Auch die geografische Lage der Baustelle vereinfacht das Ganze kaum. „Wir sind 6km untertag“, ruft der Ingenieur von AF Consult in Erinnerung. „Wehe man vergisst sein Werkzeug oder die Schutzbrille…“   

JBCOMM, Februar 2015

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Sprengung des Felszapfens des Unterwasserstollens - ein Wettlauf gegen die Zeit

17.03.15, Sicherungsarbeiten im Stollen nach dem Durchstich.

Am 19. März 2015 werden die letzten Felsblöcke zum Durchbruch des Wasserstollens gesprengt. Ein Schieber versperrt dennoch den Zugang; seine Montage hat komplexe Schweissarbeiten erfordert.

Am 19. März wurde eine wichtige Etappe der Baustelle abgeschlossen, dadurch dass der letzte Felsbrocken im Unterwasserstollen gesprengt wurde. Zwei parallele Stollen wurden bereits erstellt, die je drei der sechs Turbinen mit Wasser aus dem Emosson See versorgen sollen. Aus diesem Grund muss ein Schieber eingebaut werden, der den Wasserdurchfluss verhindert, bevor die letzten Felszapfen gesprengt werden. „Sonst fliesst das ganze Seewasser, nämlich gegen 200 Millionen Kubikmeter, bis ins Rhonetal hinunter“, erklärt Gérard Seingre, Oberbauleiter der Nant de Drance. Ein 30m starkes Stück Fels blieb in beiden Stollen bestehen.

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17.03.15, Anbringen des Sprengstoffs für die Sprengung des Stollens.

Beschränktes Zeitfenster

« Die Sprengung eines dieser Felszapfen, nämlich jenes im Unterwasserstollen, ist erfolgreich erfolgt, trotz eines Wettlaufes gegen die Zeit », berichtet Gérard Seingre. Da der Emosson See immerwährend genutzt wird, können die Arbeiten nur bei Niederwasserspiegel erfolgen, d.h. zwischen dem 1. März und dem 20. Mai. «Zu Ende des Winters ist der See nur wenig gefüllt und der Wasserspiegel steigt ab Mitte Mai, wenn die Schneeschmelze einsetzt », führt Gérard Seingre aus. „Wenn man dieses Zeitfenster nicht nutzt, müssen die Arbeiten um ein Jahr aufgeschoben werden.“

Der Wettlauf hat im März 2014 begonnen mit der Installatin des Schiebers in der Unterwasserschieberkammer (KSU genannt). „Es handelt sich um einen zweifachen Schieber, sogenannte Schützen, der einer Guillotine ähnlich sieht“, beschreibt der Oberbauleiter das Objekt. „Diese riesige Vorrichtung besteht aus zwei Stahlplatten von rund einem Meter Dicke, die zig Tonnen wiegen. Deren eine, die während des Betriebes des Kraftwerkes geschlossen werden kann, ist mit Beton beschwert. Die ganze Vorrichtung umfasst 42m Länge.

Das Zusammenbauen dieses Schiebers, welcher vor Ort durch die Firma Hans ERNE Metallbau AG (Unterakkordant von Andritz Hydro) montiert wurde, setzte « komplexe Schweissarbeiten » voraus. Die Schweissnähte mussten streng kontrolliert werden und im Falle eines Mangels neu bearbeitet werden. Danach musste die Panzerung mit Beton hinterfüllt werden. Dies erfolgte etappenweise, damit jede einzelne Schicht etwas abkühlen konnte, bevor die nächste eingebaut wurde. Diese Arbeiten, wie auch alle anderen Baumeisterarbeiten der Baustelle Nant de Drance, wurden der GMI (Groupement Marti Implenia) anvertraut.

„Diese Baustelle hat uns während des ganzen Jahres 2014 viel Arbeit gegeben“, bestätigt der Oberbauleiter, „und wir werden sie bis ca. 15.-20. Mai vollbracht haben. Dann wird der Schieber geschlossen. Anschliessend ist es nötig, zur Abdichtung Injektionen durchzuführen „damit das Wasser des Sees nicht durch Schlitze um den Schieber herum dringen kann.“

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17.03.15, Abdichtungsarbeiten unter Vieux Emosson

Zehn Tage Sprengarbeiten

Der Schieber installiert, konnte mit den Sprengarbeiten begonnen werden. Diese wurden vom Seebecken des Emosson Sees her ausgeführt. Dazu musste zuerst die Zubringerstrasse schneefrei geräumt werden. „Zu Beginn hatten wir Glück, weil die Wetterbedingungen uns günstig gesinnt waren“, erinnert sich Gérard Seingre. „Aber Anfang März tobte ein Schneesturm und die Räumung musste von Neuem begonnen werden. „Wir mussten uns dem Wetter und der Lawinensituation anpassen“, betont der Oberbauleiter mit einem Lächeln. Er ist die unliebsamen Zwischenfälle bei Arbeiten in alpinem Gelände gewohnt.

Die mit Tovex ausgeführten Sprengungen dauerten 10 Tage mit 3m Vortrieb pro Tag. „Am 18. März wurde der Schieber getestet und am darauffolgenden Tag wurden die letzten Felsbrocken, die den Durchfluss verhindern mussten und als „Zapfen“ dienten, gesprengt“, beschreibt ein zufriedener Gérard Seingre, glücklich darüber, dass der Zeitplan eingehalten und der Wettkampf gegen die Zeit gewonnen wurde.

Jetzt bleibt noch das Betonieren des durch diese Sprengungen frei gewordenen Stollenabschnittes. Diese Arbeiten werden momentan ausgeführt. Nächstes Jahr wird dasselbe Prozedere nochmals durchgeführt, um den Zapfen im zweiten Wasserstollen zu sprengen.   

JBCOMM, April 2015

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Die Hauptpartien im Stahlwasserbau

12.02.16, Schweissarbeiten untertag

Ende August 2015 kommt der Stahlwasserbau auf der Baustelle Nant de Drance gut voran. Zur Zufriedenheit des Ingenieurs Thierry Cousot wurde der Zeitplan durch keinerlei technische Schwierigkeiten durcheinandergebracht.

An diesem Nachmittag Ende August 2015 bestätig Thierry Cousot mit einem erleichterten Lächeln: „Um mit einem guten Rhythmus voranzukommen, mussten wir kleine Anpassungen machen, aber im grossen und ganzen sind wir in den gewünschten Fristen.“ Für den Ingenieur und sein Team stellte die Dimension der zu installierenden Teile die grösste Herausforderung dar. In einem Wort zusammengefasst: ENORM.

Am Schachtfuss finden sich Rohre mit 7m Durchmesser! Ein Ausmass, das die Komplexität bei deren Einbau ins Innenleben des Pumpspeicherwerkes erahnen lässt.

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Die Kapriolen des Wetters

„Wir schätzen uns glücklich, bis heute auf keine ausschliesslich technischen Schwierigkeiten gestossen zu sein“, meint Thierry Cousot. In diesem Universum der hochstehenden Wasserkraft „vergeht selten eine Woche ohne unvorhergesehenen Zwischenfall“, bestätigt der Ingenieur. Einer der letzten ereignete sich Ende Juli. Infolge eines starken Gewitters ist Schlammwasser in eine der Wasserfassungen im Vieux Emosson See abgeflossen. Es rann den Vertikalschacht  hinunter.  „In der Montage-Kaverne stand das Wasser ca. 70cm hoch, sodass die Arbeiten auf dem ganzen Areal unterbrochen werden mussten. Die Schweissgeräte und die Heizmatten fürs Schweissen standen unter Wasser. Der Schutzdamm am Einlaufbauwerk war für ein solches Ereignis nicht konzipiert. Wie so oft fiel dieser Vorfall auf einen Freitagabend.

Dieses schlechte Timing hatte trotzdem keine weiteren gravierenden Auswirkungen. Die Einsatzleute vor Ort haben gut reagiert. Sie schlugen sofort Alarm um einen wirkungsvollen Einsatz einzuleiten. Von Anfang an konnten Wasser, Dreck und Steine weggeschafft werden. Das beschädigte Material wurde von den Versicherungen vergütet und konnte rasch ersetzt werden.

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12.02.16, Teil des Schachtfusses

Zwei heikle Sektoren

Der Erfolg des Fortschreitens der Arbeiten hängt in erster Linie von zwei heiklen Sektoren ab: demjenigen der oberwasserseitigen Drosselklappe und demjenigen der Schützen im Unterwasserbereich. Letztere wurden im Frühling notfallmässig geschlossen, als der Wasserspiegel des Emosson Sees plötzlich anstieg.

Die Schieberbereiche stellen während des Auffüllens des Beckens eine echte organisatorische Herausforderung dar, da die Interventionsfenster extrem kurz sind.

In der Tat wurde für die Erhöhung der Staumauer Vieux Emossen der See entleert. Er wird 2017 wieder gefüllt werden für die Testphase der Pumpturbinen. Der unten gelegene Emosson See hingegen wird ständig genutzt. Diesen Frühling wurde sein Wasserspiegel abgesenkt, um den Felszapfen in einem der beiden Wasserstollen zu sprengen, die das Wasser zu den Turbinen leiten. Dieser Vorgang wird 2016 wiederholt, wenn der zweite Felszapfen gesprengt wird. Die Abschnitte der Drosselklappen und Schützen müssen somit rechtzeitig fertiggestellt sein, damit das Einstauen der Seen wie vorgesehen erfolgen kann.

Dennoch stossen die Stahlwasserbauer Mitte September auf Schwierigkeiten bei der Montage der Oberwasserschieber. „Wir riskierten eine Verzögerung von einem bis zwei Monaten“, erklärt Thierry Cousot. „Dies wird kaum Einfluss auf die Grobplanung haben, aber auf das Einstauen des Vieux Emosson Sees. Die Testläufe der ersten Maschine würden vielleicht behindert und müssten dieser Situation angepasst werden.“

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12.02.16, Arbeiten am Vertikaldruckschacht.

Wechselweise Arbeiten

Eine weitere Knacknuss : Das wechselweise Arbeiten der Stahlwasserbauer und der Tunnelbauer, weil die Stahlrohre teilweise im Beton festsitzen. Die Panzerung des zweiten Unterwasserschiebers wurde Ende August 2015 fertiggestellt. Der Stab wurde an die Betonspezialisten weitergereicht, die darauf weitere 5 Monate betonierten. Die eigentlichen Schieber werden im Laufe des Monats März 2016montiert. Das Erstellen der Druckstollen ist eine weitere Quelle de Zufriedenheit, denn sie schreitet voran. Der erste Krümmer am schachtfuss ist fertig, der zweite bald. Die erste Oberwasserverzweigung ist begonnen. Und im Unterwasserbereich ist ein Abzweiger vollendet und der zweite im Bau. Im Moment ist fast die Hälfte der Panzerungsarbeiten ausgeführt. Die Einlaufrechen werden in Vieux Emosson im Frühjahr 2016 installiert.

Zu erwähnen ist noch das Platzieren der 6 Saugrohre der Turbinen, welches im Februar 2015 beendet wurde. Für 2016 stehen das Einbetonieren und Hinterfüllen der Stahlrohre am Schachtfuss an.    

JBCOMM, Oktober 2015

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Eine Baustelle mit mehr als einem Nutzen

Das Dorf Finhaut im Jahr 2014

Der Bau des Pumpspeicherwerks Nant de Drance ist ein Glückstreffer für Finhaut. Aber es hängt davon ab, auf welcher Seite der Staumauer man sich befindet. 

Die Gemeinde Finhaut wurde mit 7.5 Millionen CHF entschädigt im Zuge der Baubewilligung sowie als Kompensation für die Umtriebe durch die Baustelle. Pascal May bestätigt : « Für uns alle ist es ein rentables Geschäft. » Der Präsident von Finhaut relativiert seine Aussage. In Bergdörfern vertritt jeder seine eigene Meinung. « Für die einen ist etwas viel, für die anderen nie genug… »Positiver Punkt : Die Gemeinde konnte mit den Entschädigungen ihre Schulden begleichen, die Infrastruktur ausbauen und hängige Projekte vorantreiben.Während der Dauer der Konzession von 80 Jahren werden weitere Zahlungen erwartet.

Durch verschiedene Steuern (Grundstück-, Kapital-, Gewinn- und Betriebssteuer) werden wir schätzungsweise 2 Millionen CHF jährlich einnehmen, vorausgesetzt, dass Nant de Drance schwarze Zahlen schreibt », erklärt Pascal May.

Das menschliche Kapital betreffend stellt das Projekt ein ausserordentliches Abenteuer dar. « Die Region kann auf eine lange Vergangenheit mit der Wasserkraft zurückblicken: Staumauern Barberine (1925), Vieux Emosson (1955), Emosson (1975) sowie die Werke von Châtelard, Vallorcine, Vernayaz und Emosson.

Heute wie morgen wird Nant de Drance existieren mit all seinen Entwicklungsperspektiven, die der Bau und die Bewirtschaftung mit sich bringen.

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Pascal May, Gemeindepräsident von Finhaut (2014)

Unterschiedliche Begeisterung

Serge Vérolet, Besitzer des Hôtel Suisse, der Tankstelle inkl. Shop in Châtelard-Frontière, erkennt positive Auswirkungen auf seine Einnahmen, besonders den Treibstoff betreffend. Es lässt sich vermuten, dass er das grosse Los gezogen hat. « Der Bau der Staumauer war sehr lukrativ für die Region in den 70er Jahren. Ich habe auf mindestens 20% des Umsatzes der Emosson-Baustelle gehofft. » Emosson war eine Baustelle « herkömmlicher Art ». « Das internationale Projekt Nant de Drance ist viel komplexer aufgezogen – nach globalem Muster, oft in Kontrast zu den lokalen Gewohnheiten.

Daher rührt auch der Eindruck « eines Dorfes im Dorf » anstatt einer Baustelle im Dorfkern.

Die Wirtschaftskrise hat auch das Verhalten beeinflusst. « Heute schicken die Arbeiter ihren Lohn an die in der Heimat gebliebene Familie. Früher beteiligten sie sich aktiv am Gemeinschaftsleben der Region, indem sie mit und unter uns lebten. Wir spielten sogar zusammen Fussball », erinnert sich Serge Vérolet. « Für die Gemeinden erweist sich dies ja als positiv. Unsere politischen Vertreter haben sich gut ins Zeug gelegt – ihnen gebührt Dank », unterstreicht er. Auf der Seite der Privaten siehts etwas anders aus. Aber wir tragen auch Verantwortung dafür. Wir sind die Sache ungeschickt angegangen, wir hätten punkto Land geschickter verhandeln sollen. Das ist schade. Mit diesen grossen Baustellen sollte man vorsichtig sein. »

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Vieux-Emosson-Hütte

Eine Frage der Mentalität

In der Vieux Emosson-Hütte trauert Nicolas Vouilloz ebenfalls den 70er Jahren nach : « Durch meinen Vater habe ich auch die Baustelle Emosson gekannt. Das war etwas ganz anderes… Mit den Italienern wurde fiesta gefeiert. » Ein Mentalitätenwechsel in Nant de Drance. Viele verschiedene Nationalitäten, andere Zeiten, andere Bedürfnisse, andere, striktere Reglementierungen. Myriam Vouilloz staunt über die Art zu verhandeln. Anfänglich hat es an Strategie gemangelt. Es ist nicht der Tanz der Maschinen, der Myriam Vouilloz stört, sondern die entstandene Konkurrenz durch die Kantine weiter unten. Doch gibt es nicht nur die negative Seite. 2014 konnten die Vouilloz den Betrieb der Hütte nach der Winterpause früher als sonst aufnehmen. Myriam, Nicolas und Serge sind sich einig : « Würden sich gewisse Verantwortliche weniger als Lokalmatadoren aufführen, wäre es perfekt. »

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Elektrische Stromversorgung der Baustelle

Reger Betrieb in der Hauptkaverne

Oft gerät in Vergessenheit, dass ohne Strom auf der Baustelle Nant de Drance nichts möglich wäre. Für den Bauherrn stellen das Installieren und Aufrechterhalten der Stomversorgung der unterirdischen Stollen und verschiedenen Gebäude von Châtelard eine echte Herausforderung dar. 

Wenn man die Baustelle Nant de Drance erwähnt, denkt man gleichzeitig an die Ausbrucharbeiten und an die Maschinen, die sich durch den Berg fressen. Andererseits vergisst man die wichtige Rolle, die die elektrische Stromversorgung während den Bauarbeiten einnimmt. Diese Einrichtungen sind jedoch unerlässlich. « Beim Bau eines Hauses wird jeweils zuerst ein Stromverteilungskasten installiert », meint Florian Brantschen, Verantwortlicher für Elektrotechnik der Nant de Drance SA, « denn bereits die erste Belegschaft auf einer Baustelle benötigt Strom. »

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Umladevorgang eines Turbinensaugrohres

Beleuchten, heizen, lüften, Maschinen betreiben

Strom – das verbraucht der Bau des zukünftigen Pumpspeicherwerks Nant de Drance in rauen Mengen ! Auf der Hauptbaustelle bewirkt er das Laufen der Motoren wie auch der Lüftung und der Beleuchtung der Stollen und Kavernen. Auch das Kieswerk in Trient (welches einen Grossteil des Ausbruchmaterials, das zur Betonkiesgewinnung dient, wiederverwendet) sowie die Baustelle zur Staumauererhöhung Vieux Emosson brauchen Strom.

In Châtelard gilt es auch die Büroräumlichkeiten der Bauleitung Nant de Drance und der Bauunternehmung GMI (Groupe Marti Implenia) zu beleuchten und zu heizen, ohne die Gebäude der Kantine und die Arbeiterwohnungen zu vergessen. «Das Arbeiterdorf beherbergt 4oo Bewohner und im Winter spenden die Heizungen ausreichend Wärme », bemerkt Stéphane Claivaz, Koordinator Betrieb Nant de Drance.

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Containerblock als Arbeiterdorf

Verbrauch von etwa 4000 Einwohnern

Der Gesamtverbrauch variiert von Jahr zu Jahr den ausgeführten Arbeiten entsprechend, bleibt aber beachtlich hoch. Florian Brantschen berichtet:  « 2012 betrug der Verbrauch 16 GWH (Gigawattstunden), was dem gesamten Verbrauch der etwa 4 Gemeinden des Trienttals entspricht (Vernayaz, Salvan, Finhaut und Trient), die 3800 Einwohner umfassen.

Dieser, durch den SEIC verteilte Strom stammt aus dem Haushalts- und Industriestromnetz, welches nicht für die Versorgung einer solch grossen Baustelle konzipiert wurde. Vor Baubeginn musste der Bauherr die Verstärkung des Stromnetzes des Trienttals finanzieren. In der Tat musste sichergestellt werden, dass der Baustelle genügend elektrische Energie zur Verfügung stehen werde und dass den Einwohnern von Finhaut und ihren Nachbarsgemeinden nicht das Licht ausgehe.

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Kilometerweise Kabel

Zuerst musste der elektrische Strom an verschiedene Bezugspunkte der Baustelle gelangen. Ausschliesslich im Zuge der Vortriebsarbeiten wurde er ins Stollensystem geführt. Das bedeutet, kilometerweise Kabel zu verlegen und Transformatoren sowie Verteilerkasten und Ausrüstung zu installieren, um den Strom bis zum Verbraucher zu leiten.

Im Übrigen wurde im Freien der Strom für die Baustelle in bestimmten Abschnitten via Freileitungen geführt. « Im Winter reichte manchmal ein Tannenzweig aus, um alle Arbeiten auf der Baustelle lahm zu legen. »

Trotz einiger kleiner Zwischenfälle ist laut Florian Brantschen alles reibungslos verlaufen. Florian Brantschen bestätigt, dass sich keine nennenswerte Panne ereignet hat.

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Übergangsphase

Die für die Stromversorgung Verantwortlichen und ihre Logistik-Kollegen werden mit einer wichtigen Übergangsphase konfrontiert. Das interne elektrische Netz, welches von der Bauunternehmung GMI für die Ausbrucharbeiten installiert wurde, muss grösstenteils ersetzt werden, um den Bedürfnissen der Monteure der Elektromechanik (Turbinen etc.), welche nun folgt, gerecht zu werden.

Es muss auch schon an das definitive Stromnetz gedacht werden, « das das zukünftige Pumpspeicherwerk ab 2016/2017 versorgen wird. » Um letzteres zu installieren müssten elektrische Anlagen ersetzt werden, z.B. wird man die Kabel durch « leichtere ersetzten, die zum Schutz einbetoniert werden. » Gemäss Stéphane Claivaz und Florian Brantschen ist diese Aufgabe bei weitem nicht abgeschlossen.

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Nant de Drance – eine kleine, eigene Welt

Staumauererhöhnung Vieux Emosson (Mai 2014)

Sie stammen aus der Schweiz, aus allen Winkeln Europas oder der ganzen Welt. Ungefähr 20 Nationalitäten leben auf der Baustelle Nant de Drance zusammen. Der Kultur – und Sprachenmix stellt für die Arbeitenden im düsteren Alltag untertag einen besonderen Lichtschimmer dar.

«Wiä gat’s? Du bisch immer da?» «Morgä. Am Samschtig cha-n-i uf Brig gaa. Ich schaffä nöd. Ade.» Die Unterhaltung unter den Nant de Drance-Mitarbeitern erfolgt in den verschiedensten Dialekten und Sprachen. Paul Heinzmann, Verantwortlicher für den Einkauf GMI und Besucherführer des Tages bestätigt: « Es hat viele Slowaken hier. » Die Österreicher, die Deutschen, die Italiener, die Portugiesen, die Franzosen und die Schweizer sind zahlreich vertreten. Einige kommen sogar aus Afghanistan oder Paraguay.

Im Herbst zählte die Walliser Baustelle etwas mehr als 400 Personen aus 17 Nationen. Ein Drittel arbeitete im Vortrieb, ein weiterer Drittel in der Logistik und der letzte Drittel im Betonbau für die Staumauer und die Triebwasserwege. Im Tunnel wird am häufigsten Italienisch und Deutsch gesprochen. Ein sprachliches Patchwork gilt für den Rest der Baustelle.

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Baustellenkantine (2013)

Männer und Frauen – eine Motivation

In Nant de Drance ist die Motivation auf jeder Stufe frappant. Inbegriffen die Flure der 6 Gebäude mit den 460 Zimmern mit Dusche, WC und Gemeinschaftsraum für alle Bewohner der Etage. Marie-Louise Hamon verspürt Wertschätzung für die Übernahme der Verantwortung für den Unterhalt der Wohnungen, des Change House und der Büros.

Keine Selbstverständlichkeit, sich als Frau in dieser Männerwelt zu bewegen. Aber ihre Bedenken überdauerten nicht lange. « Unsere Männer sind nett », beteuert sie ohne Zögern. « Sie respektieren unsere Arbeit. Weil die ihre hart ist, bemühen wir uns darum, ihr Leben auf der Baustelle so angenehm wie möglich zu machen. Wir passen uns ihren Arbeitszeiten an, um sie nicht zu stören. »

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Containerblock als Arbeiterdorf

Solidarität – eine universelle Sprache

Vom Tunnelbauer, über die Kommunikationsbeauftragen, über die Küchenhilfe zum Vorarbeiter, jede(r) leistet seinen Beitrag zur Realisierung des Pumpspeicherwerks. « Jeder hat eine konkrete Aufgabe. Man führt sie aus. So ist es. Das ist alles. Und wenn einer von uns etwas auf dem Herzen hat, unterstützen wir einander. » Diese Erklärungen erfolgen ohne unnötige Ausschmückungen. Die Leute vom Untertag zeigen sich eher wortkarg, wenn es darum geht, über ihre Gefühle Auskunft zu geben. Über ihren Beruf sprechen sie lieber. Egal aus welchem Land sie stammen, immer glänzen ihre Augen vor Stolz, immer beweisen ihre Gesten Solidarität. Manche kennen sich schon von der Arbeit auf ähnlichen Baustellen und grüssen sich nur mit einem Kopfnicken. Vielleicht steckt darin das Geheimnis ihres Zusammenlebens : sie beherrschen die universelle Sprache der Erbauer der Zukunft.

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Aufbereitetes Material

Der Betonkies wird gebrochen und nach Korngruppen sortiert

Mehr als 4 Millionen Tonnen Fels werden in Nant de Drance ausgebrochen. Ein Teil dieses Materials wird zu Betonkies verarbeitet und anschliessend auf der Baustelle wiederverwendet, um die Tunnelgewölbe zu betonieren. 

Werkhallen mit Silos wurden auf dem Gemeindegebiet von Trient ca. 3 km vom Baustelleneingang Nant de Drance entfernt erstellt. Hier wird ein Teil des ausgebrochenen Gesteins wieder aufbereitet. Korrekter Rücklauf: Aus wirtschaftlichen und praktischen Gründen, aber auch um die Umwelt zu schonen, wird Ausbruchmaterial aus den Stollen, Kavernen und Schächten auf die Baustelle zurückgeführt. Nach seiner Aufbereitung zu Betonkies wird es für den weiteren Tunnelbau genutzt.

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Schwierige Wahl

Die Betonherstellung lässt sich nicht auf ein simples Gemisch aus Wasser, Zement und Kies reduzieren. « Das ist eine eigene Wissenschaft », unterstreicht Christophe Carron vom Büro PRA Ingénieurs Conseils in Sitten, welches für die Materialbewirtschaftung auf der Baustelle Nant de Drance verantwortlich ist. « Zuerst wird das Gestein nach spezifischen petrographischen und chemischen Kriterien ausgewählt. » Dann wird es gebrochen und gesiebt, um es für die Betonproduktion in ideale Korngruppen – Kies, Splitt und Sand –aufgeteilt. Der Beton soll qualitativ hochstehend, widerstandsfähig und überdauernd sein. Die Aufbereitungsanlage in Trient dient diesem Zweck.

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Kiesaufbereitungs- und Silo-Anlage

Brechen und Sieben

Nach dem Ausbrechen durch die Tunnelbohrmaschine oder mittels Sprengstoff wird das Gestein noch im Untertag nach Qualität sortiert. « Dieses aufwändige Sortieren stellt eine Schwierigkeit dar, weil dadurch die Vortriebsarbeiten nicht beeinträchtigt werden dürfen », unterstreicht Christophe Carron.

Das wiederverwertbare Material wird anschliessend per Camion zum Kieswerk transportiert. Es gelangt in zwei Brechanlagen, die es mahlen und zerkleinern. Danach wird das Material in einen Vertikalbrecher geleitet, um die Körner abzurunden und dem Korngemisch Kubizität zu verleihen.

Durch das Passieren verschiedener Siebe wird der Betonkies nach Durchmesser sortiert – von 4 bis 8 mm und von 8 bis 16 mm. Zu grobes Material wird in den Brecherkreislauf zurückbefördert und erneut zertrümmert.

Die feinsten Partikel – der Sand – werden in ein Absetzbecken geschwemmt, wo sie sich ihrer Grösse entsprechend ablagern. Nach dem Waschgang gelangen die verschiedenen Körnungen in 4 Silos « von ca. 15m Höhe und 600m3 Fassungsvermögen », präzisiert der Materialbewirtschaftungsverantwortliche.

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Qualitätskontrolle

Neben der Aufbereitungsanlage befindet sich ein kleines Lokal: das Labor. Da wird das Material diversen Versuchen unterzogen, um zu prüfen, ob die Qualität den für die Weiterverarbeitung zu Betonkies erforderlichen Kriterien entspricht. In diesem Lokal werden auch die Qualität und der Durchmesser des Kieses und des Sandes aus dem Brecher geprüft.

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Destination Betonzentrale

Die im Werk von Trient gewonnenen Körnungen werden per Camion in die Betonzentrale im Untertag in der Nähe der Maschinenkaverne transportiert.

Im Weiteren wurde eine andere Wiederaufbereitungsanlage für Ausbruchmaterial zwischen den Staumauern Emosson und Vieux Emosson errichtet. « Sie stellt gröberen Kies für gröberen Betonkies her, der zur Staumauererhöhung dient », führt Christophe Carron aus.

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Kiesaufbereitungs- und Silo-Anlage

… oder Ablagerungen

Das Ausbruchmaterial, welches nicht zur Betonherstellung verwendet werden kann, wird in La Guelaz, nahe des Emosson Sees, oder auf der Deponie Châtelard abgelagert.

Man kann sich kaum vorstellen, dass man vor einem definitiven Ablagerungskörper weilt, wenn man das bereits begrünte, aufgefüllte ehemalige Tal betrachtet. « Dieses Jahr wurden sogar Gämsen darauf erspät », weiss Christophe Carron zu berichten. « Sie scheinen sich gut eingelebt zu haben. »

Nach Beendigung der Baustelle Nant de Drance wird das Tal vollumfänglich renaturiert werden, wie im Übrigen auch der Ort der Materialbewirtschaftungsanlage. Alles wird wieder der Natur übergeben und überlassen werden.

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Ausbruchmaterial in Zahlen

4,2 Millionen Tonnen Ausbruchmaterial werden auf der Baustelle Nant den Drance verarbeitet.

700 000 Tonnen  davon werden auf die Baustelle zurückgeführt.

300 000 m3 Beton sind nötig, um die Wände der Stollen, Kavernen und Schächte des zukünftigen Pumpspeicherwerks zu betonieren.

Dazu kommen 70 000 m3 gröberer Beton zur Staumauererhöhung von Vieux Emosson.

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Ausbruch des Schachtes : ein komplexes Vorgehen

Vertikalansicht eines der beiden Schächte. Das Fallenlassen eines Gegenstandes wäre für die darunter Arbeitenden tödlich.

Zwei vertikale Schächte leiten das Wasser von den Seen zu den Turbinen. Für ihren Bau mussten 425m Fels durchbohrt werden. Die Aufgabe war heikel und ist gelungen!

Die Schächte stellen Kernbauwerke des Pumpspeicherwerkes Nant de Drance dar. In der Tat wird durch diese zwei Vertikalschächte das Wasser vom Vieux Emosson See in die Turbinen stürzen und diese zum Drehen bringen, bevor es in den unter Wasser liegenden Emosson See fliesst. Ebenfalls durch diese Schächte wird das Wasser beim Pumpen die entgegengesetzte Richtung einschlagen. Der Bau dieser 425m hohen Schächte mit 7m Durchmesser stellt eine grosse Herausforderung dar. « Das ist keine alltägliche Arbeit », meint der Oberbauleiter Gérard Seingre.

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Vertikalansicht eines der beiden Schächte. Das Fallenlassen eines Gegenstandes wäre für die darunter Arbeitenden tödlich.

Ein Ausbruch in drei Schritten

Die erste Schwierigkeit liegt darin, dass das Bauwerk vertikal ist. « Man muss extrem vorsichtig arbeiten, denn das Fallenlassen eines Gegenstandes kann für die unterhalb Arbeitenden tödlich enden. «  Im Weiteren muss eine enorme Menge an Energie aufgewendet werden, wenn von oben nach unten ausgebrochen wird. Aus diesem Grund hat der Bauherr das Ausbruchverfahren raise-drill gewählt. Das Ausbrechen wird in drei Schritten durchgeführt, die den Schacht sukzessive verbreitern.

Die erste Phase besteht darin, eine Bohrung von 30cm Durchmesser auszuführen. Es handelt sich um dieselbe Technik wie bei Ölbohrungen, bis auf den Unterschied, dass das verwendete Bohrgestänge genau vertikal bohren muss, was ausserordentliche Präzision voraussetzt. Das Ziel wurde erreicht, betrug doch die Abweichung am Ende nur 20cm auf 400m, was einer Genauigkeit von 0.5 auf 1000 entspricht.

In der zweiten Phase wird dieser erste Schacht von unten her mit Hilfe eines am Bohrgestänge angebrachten Tunnelbohrkopfes auf 2.5m Durchmesser erweitert.

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Es wird ohne Unterbruch betoniert um Schwachstellen in Form von Fugen zu vermeiden.

Betonieren ohne Unterbruch

Dann folgt der dritte Schritt: Der Schacht wird im Sprengverfahren auf einen Durchmesser von 7m erweitert. « Die Mineure brechen 5m pro Tag aus. Sie arbeiten auf einer mit den nötigen Hilfsmitteln ausgerüsteten Hebebühne. Die Hauptschwierigkeit besteht darin, nicht in den Schacht zu stürzen. »

Im Zuge der Vortriebsverfahren schaffen die Arbeiter das gröbere und feinere Ausbruchmaterial mit einem Pneulader weg. Jetzt bleibt nur noch das Betonieren der Ringstruktur. Dies erfolgt ohne Unterbruch, damit sich keine Fugen als Schwachstellen bilden können. « Die Arbeiter waren während drei Monaten Tag und Nacht pausenlos im Einsatz und so konnten 425m ohne Unterbruch betoniert werden. » 

Letzter Akt: Ein Gemisch aus Zement und Wasser wird zwischen Fels und Beton injiziert, damit der Beton satt an der Felswand liegt.

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Verzögerung der Arbeit durch Radioaktivität

Der Bau des ersten Schachtes ist vollendet und ist « reibungslos verlaufen », freut sich der Oberbauleiter. Eine kleine Gesteinsmenge hat sich jedoch als radioaktiv erwiesen. « Ich habe den sofortigen Baustopp eingeleitet und die SUVA kontaktiert… » erinnert sich Gérard Seingre. Um einen Hautkontakt mit dem Fels zu vermeiden, haben wir entschieden, eine 7-8cm dicke Spritzbetonschicht aufzutragen, die Stahlfasern enthält, was das Einbauen von Armierungseisen erübrigt. Dies hat die Radioaktivität auf eine akzeptable Dosis verringern lassen. »

Eine letzte Klippe muss aber noch umschifft werden, bevor die Stahlwasserbauer zum Einsatz kommen werden, um am Schachtkopf und –fuss die Stahlrohre anzubringen : Wasser dringt durch kleine Ritzen im Beton ein und tropft dem Schacht entlang. « Wir sind daran, ein Zeltdach zu errichten, um die Arbeiter zu schützen und die Schweissarbeiten aufrecht zu erhalten », erklärt Gérard Seingre. Nach Inbetriebnahme der Anlage wird dieser feine Niederschlag keine Probleme mehr bereiten, zumal riesige Wassermassen durch die Schächte tosen werden.

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Umwelt­schutz wird beim Bauen gross ge­schrieben

Das Feuchtgebiet Bierle, das am Rand der Baustelle liegt, darf in keinster Weise beeinträchtigt werden. Deshalb wird die Wasserqualität rund um die Zwischendeponie ständig überwacht.

Auf der Grossbaustelle Nant de Drance werden die Luftqualität, die Auswirkungen auf Natur und Landschaft sowie die umweltgerechte Entsorgung der Abfälle genauestens überwacht. Verantwortlich dafür ist Elisabeth Carrupt.

Ob beim Vortrieb der langen unterirdischen Stollen, beim Einsatz von Sprengstoffen und mächtigen Maschinen oder beim Betonieren der Kavernen, eine Grossbaustelle wie diejenige in Nant de Drance hat zwangsläufig Auswirkungen auf die Umwelt und die Umgebung. Deshalb gilt es, die Einhaltung der geltenden Normen und der in der Baubewilligung festgelegten Bedingungen gewissenhaft zu prüfen. Zuständig für diese Kontrollen ist Elisabeth Carrupt von Tissières SA, einem unabhängigen Ingenieur- und Geologiebüro aus Martigny, das mit dieser Aufgabe betraut wurde.

Die Geologin und Umweltwissenschaftlerin begleitet die Bauarbeiten für Nant de Drance schon seit deren Beginn und achtet auf ein umweltschonendes Vorgehen. Immer wieder führt sie Kontrollen durch. Diese erfolgten unangekündigt oder, wenn es Probleme gebe, auch auf Verlangen der Bauleitung, erklärt Carrupt. Dabei müsse sie immer alles im Auge behalten.

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Damit keine Verunreinigungen ins Wasser gelangen, werden alle Baustellenabwässer behandelt.

Wasser und Umwelt­belastung werden ständig überwacht

Wie bei allen unterirdischen Bauarbeiten sickert auch auf der Baustelle in Nant de Drance ständig Wasser in die Stollen und Kavernen. Zudem kommt auch bei der Reinigung der Baumaschinen und Fahrzeuge viel Wasser zum Einsatz. «Wir müssen sicherstellen, dass die Baustellenabwässer so behandelt werden, dass sie keine Verschmutzung mehr aufweisen», erklärt Elisabeth Carrupt. Auch das Grund- und Flusswasser in der Umgebung wird ständig kontrolliert.

In Zusammenarbeit mit einem Büro für Biologie stellt die Umweltverantwortliche zudem sicher, dass Fauna, Flora und Landschaft bestmöglich geschützt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Feuchtgebiet Bierle unterhalb von Trient (VS). «Wir nennen es auch den Tabubereich, weil es in keinster Weise beeinträchtigt werden darf, auch wenn es direkt am Rand der Baustelle liegt», sagt Carrupt.

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Überprüfung der Luftqualität

Im Rahmen der Umweltbaubegleitung führen spezialisierte Unternehmen Messungen der Lärm- und Vibrationsemissionen durch. Diese hätten vor allem zu Beginn der Bauarbeiten benachbarte Gebäude, das Kraftwerk Châtelard oder den Staudamm Vieux-Emosson belasten können. Auch die Luftqualität und der Feinstaubausstoss der Baumaschinen werden überwacht.

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Anspruchsvolle Entsorgung

Das Vallon du Châtelard wird mit dem Fortschreiten der Bauarbeiten nach und nach wiederhergestellt. Die Renaturierung gehört zu den 16 Ausgleichsmassnahmen, die von der Bauherrin finanziert werden.

Doch mit Abstand am meisten Zeit wendet Elisabeth Carrupt für die Entsorgung der Baustellenabfälle auf. Ist die Entsorgung einiger Stoffe, etwa von Siedlungsabfällen wie Glas, Papier oder PET, noch unproblematisch, wird es bei den Sonderabfällen komplizierter. Diese müssten gesondert abtransportiert und bewilligten Entsorgungsbetrieben übergeben werden, so Carrupt. Auf der Baustelle fallen unter anderem Metall- und Kunststoffschrott an, vor allem aber müssen riesige Mengen von staub- und eventuell ölhaltigem Schlamm entsorgt werden. Letzterer wird in Absetzbecken gesammelt, getrocknet und anschliessend in Mulden zwischengelagert, denn: «Damit wir wissen, welchem Entsorgungsbetrieb wir sie übergeben können, müssen wir die Abfälle zuerst analysieren», so Carrupt.

 

Natürliche Radioaktivität

Die natürliche Umweltbelastung im Innern der Stollen und Kavernen wird ebenfalls eng überwacht, denn sie kann ein Gesundheitsrisiko für die Bauarbeiter darstellen. Der Fels ist reich an Uran und Radon. Man sei bisher zwar nicht auf Bereiche gestossen, die für die Arbeiter eine Gefahr darstellten, man habe aber vorsorglich strenge Richtlinien erarbeitet, die der Sicherheitsverantwortliche auf der Baustelle umsetze, erklärt Carrupt.

Die Arbeiter können auch unerwartet mit punktuellen Schadstoffvorkommen konfrontiert sein. So stiessen sie bei den Arbeiten im Fels etwa auf natürliches Arsen. «Wir haben ihnen empfohlen, kein Sickerwasser aus dem Fels zu trinken und ihre persönliche Ausrüstung nicht abzulegen», sagt Elisabeth Carrupt.

 

Keine Beanstandungen

Die Geologin berichtet, dass in allen von ihr überwachten Bereichen schon Probleme aufgetaucht seien. Doch in Gesprächen mit der Bauherrin, der Bauleitung und den beteiligten Bauunternehmen habe man bisher immer eine umweltfreundliche Lösung gefunden. Die Umweltbelastung durch die Baustelle wird auch durch die zuständigen Behörden des Kantons Wallis sowie die Bundesämter für Energie und Umwelt überwacht.

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Ökologischer Ausgleich

Wie alle grossen Bauprojekte hat auch das Kraftwerk Nant de Drance langfristige Auswirkungen auf die Umwelt, die kompensiert werden müssen. Die Bauherrin finanziert 16 Ausgleichsmassnahmen für insgesamt 22 Millionen Franken. Dazu gehört die Wiederherstellung der direkt von den Bauarbeiten betroffenen Standorte, etwa die Renaturierung des Steinbruchs La Gueulaz oder des Gebiets beim Vieux-Emosson. Die Kompensationsmassnahmen umfassen aber auch ökologische Ausgleichsarbeiten an anderen Standorten, etwa die Ufersanierung am Trient in Vernayaz. Die Projekte wurden von einem Biologen erarbeitet und werden von Elisabeth Carrupt betreut.

JB COMM/10.06.13

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Bundes­rätin Doris Leuthard zu Besuch in Nant de Drance

Die Bundesrätin besucht die Baustelle in Begleitung von Eric Wuilloud, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Nant de Drance SA

Am 3. März 2014 wurde auf der Baustelle Nant de Drance gefeiert. Mit den Ausbruch­arbeiten für die Stollen und Kavernen ist eine wichtige Bauetappe abgeschlossen. Unter den geladenen Gästen war auch Bundesrätin Doris Leuthard.

Mit einem Festakt wurde am 3. März 2014 der Abschluss der Ausbrucharbeiten für das Kraftwerk Nant de Drance gefeiert. Vor den Augen der staunenden Gäste wurde die hinter einem schwarzen Vorhang verborgene Maschinenkaverne feierlich enthüllt. «In aussergewöhnlichen Tiefen, im Herzstück der Baustelle», wie es Eric Wuilloud, Direktor der Nant de Drance SA, ausdrückte, hatte sich eine illustre Gästeschar versammelt, darunter auch Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation.

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Nach dem Ende des Baustellen­besuchs in der Maschinen­kaverne: die Bundesrätin mit Bernhard Brodbeck, Geschäfts­leitungsmitglied IWB, de Paul Michellod, CEO FMV SA, de Jasmin Staiblin CEO Alpiq et de Michael Wider, Verwaltungsrats­präsidenten von Nant de Drance SA (von links nach rechts).

Eine Kaverne, fast so hoch wie das Bundes­haus

Gut fünf Jahre nach Aufnahme der Bauarbeiten, die am 30. Juni 2009 an der Staumauer Emosson begannen, sind die Maschinenkaverne und die Stollen nun vollständig ausgebrochen. «Ein eindrückliches Labyrinth», meint Eric Wuilloud. Die Dimensionen der Kaverne sind in der Tat überwältigend. «Sie ist fast so hoch wie das Bundeshaus», sagte Michael Wider, Verwaltungsratspräsident der Nant de Drance SA in seiner Ansprache, und verdeutlichte die Grössenverhältnisse mit einem an die Wand projizierten Foto des Bundeshauses.

Zur Feier des Tages wurden die Baumaschinen aus der Kaverne entfernt und die vorhandene Plattform mit Teppichen, einem Podium für die Musiker und Festredner, mit schwarz eingedeckten Tischen und bunten Tulpensträussen zu einem feierlichen Empfangssaal umfunktioniert.

Denn schliesslich ist auf der Baustelle nicht jeden Tag eine Bundesrätin zu Gast. Und auch die anderen hochrangigen Vertreter von Bund, Kanton und Gemeinden sowie die Aktionäre, Lieferanten, Partnerunternehmen und Journalisten galt es gebührend zu empfangen.

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Pionierarbeit

Mit dem Eintreffen von Bundesrätin Doris Leuthard gingen die Gäste vom Kaffee zum nächsten Programmpunkt über: den Ansprachen. Alle Redner schlugen begeisterte Töne an. Doris Leuthard brachte «grössten Respekt für diese gewaltige Leistung» zum Ausdruck und zeigte sich fasziniert von der riesigen Baustelle: «Schon immer waren es Pioniere, die die Schweiz vorangebracht haben. Nant de Drance zeigt, dass das heute noch möglich ist», so die Bundesrätin.

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Schwierige Zeiten für Stromproduzenten

Die Stromproduzenten sehen sich zurzeit jedoch einer schwierigen Situation gegenüber. Michael Wider sagte zwar, er sei stolz, als Vertreter von Alpiq, einer der Aktionärinnen des Pumpspeicherkraftwerks, am Projekt beteiligt zu sein. Doch die Rahmenbedingungen in der Schweiz und in Europa seien noch nicht so weit gediehen, dass der wirtschaftliche Nutzen des Bauwerks voll zum Tragen komme. Das bestätigte der Walliser Staatsrat Jean-Michel Cina, Vorsteher des Departements für Volkswirtschaft, Energie und Raumentwicklung: «Die Betreiber von Wasserkraftwerken bewegen sich zurzeit in einem schwierigen Umfeld.» Auch Doris Leuthard ist sich der Schwierigkeiten bewusst, ist aber überzeugt: «Wasserkraft und Speicherkraft haben Zukunft. Langfristig braucht es in Europa Speichermöglichkeiten und Regelreserven für die wachsende volatile Produktion an erneuerbarer Energie.» In dieser Situation könne sich Nant de Drance «als ein vielseitiges und modernes Werkzeug etablieren», so Leuthard.

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Auf Zugang zum europäischen Strommarkt angewiesen

In den unterirdischen Galerien unterhält sich die Bundesrätin mit Michael Wider, dem Verwaltungsratspräsidenten von Nant de Drance SA.

Im Stromsektor stehen die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union zurzeit im Zentrum der Aufmerksamkeit. «Der Schweizer Markt ist, soweit überhaupt vorhanden, nicht gross genug, um das Pumpspeicherkraftwerk rentabel zu betreiben», betont Michael Wider.

Rein technisch könne die Schweiz auch ohne Stromabkommen weitermachen, erklärte Doris Leuthard, allerdings zu einem hohen Preis: «Eine Teilnahme der Schweiz am europäischen Energiemarkt, an Handel, Abgeltung der Netznutzung etc. wäre auf einer Ad-hoc-Basis nicht mehr möglich. Der Zugang zum europäischen Markt ist für die Schweiz unerlässlich und muss zu akzeptablen Konditionen gewährleistet sein. Dazu gehört aber auch die vollständige Marktöffnung innerhalb der Schweiz.»

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Arbeiten unter erschwerten Bedingungen

Mit dem Ausbruch der Maschinenkaverne sei schon viel Arbeit geleistet worden, doch sei jetzt erst Halbzeit, schloss Leuthard ihre Ansprache. Bis das Pumpspeicherkraftwerk in Betrieb genommen werden kann, ist in der Tat noch viel zu tun. Auf der Baustelle, laut Eric Wuilloud eine der «grössten und wichtigsten der Schweiz», geht die Arbeit also weiter. Doch an diesem Festtag stand vorerst das Geniessen im Vordergrund und die Gäste wurden tief im Fels mit Raclette und Musik verwöhnt.

JB COMM/ 03.03.14

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Nant de Drance: Strom­produktion der Spitzen­klasse

Michael Wider, Leiter Generation Alpiq Holding AG, Deputy CEO

Das flexible und leistungsfähige Pumpspeicher­kraftwerk Nant de Drance ist wichtig für die Stabilität der schweizerischen und europäischen Höchstspan­nungsnetze.

Ein Pumpspeicher­kraftwerk, wie es in Nant de Drance entsteht, bringt Stromproduzenten, Netzbetreibern und letztlich auch den Stromkonsumenten wertvolle Vorteile. Vor allem die hohe Leistung und Flexibilität der Pumpspeicherkraftwerke seien von grossem Nutzen, sagt Michael Wider, Verwaltungsratspräsident der Nant de Drance SA und Vertreter von Alpiq, einer der Aktionärinnen des Kraftwerkprojekts. Aber nicht nur deshalb gehören Pumpspeicherkraftwerke zur Spitzenklasse der Stromproduktion, sondern auch weil sie mit der Wasserkraft eine erneuerbare Energiequelle nutzen.

Im Herzstück des Kraftwerks Nant de Drance werden künftig sechs Pumpturbinen arbeiten. In den Spitzenbedarfszeiten morgens und abends wird das Wasser aus dem oberen Stausee Vieux-Emosson turbiniert und der so erzeugte Strom ins Höchstspannungsnetz eingespeist. Bei geringerer Stromnachfrage wird das Wasser vom unteren Stausee Emosson zum höher gelegenen Vieux-Emosson hochgepumpt, um Energie zu speichern. Und das mit bemerkenswerter Flexibilität, denn die Pumpturbinen können in weniger als zehn Minuten vom Pump- in den Turbinenbetrieb wechseln – oder umgekehrt.

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Ein Beitrag zur Stabilität des Höchsts­pannungs­netzes

Priorität im Netzausbauprogramm von Swissgrid

Mit dem Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance verfügen die Schweizer Netzgesellschaft Swissgrid und die Netzbetreiber im benachbarten Ausland künftig über ein leistungsfähiges Werkzeug, um die Stabilität ihrer Höchstspannungsnetze zu gewährleisten. Stromtechnisch sei Europa gut vernetzt, betont Wider, Leiter Generation bei Alpiq: «Das ist grossartig. Von Sizilien bis Hamburg beträgt die Standardfrequenz im Stromnetz 50 Hertz. Das bedeutet, dass die Elektronen 50 Mal pro Sekunde hin- und herschwingen.» Dank dieser Vereinheitlichung kann Strom exportiert und importiert werden, sie hat aber auch Nachteile. Schon kleinste Abweichungen von der Standardfrequenz können zu Kurzzeitunterbrechungen führen, die in gewissen Industriebetrieben Probleme verursachen können. Michael Wider nennt als Beispiel ein Freiburger Unternehmen, das Gemüse in dünne Plastikfolie verpackt. «Die Folie läuft bei der Verarbeitung über eine beheizte Walze und kann schon bei geringsten Temperaturschwankungen reissen.» Man kann sich denken, was für Folgen das für die Haltbarkeit der Lebensmittel hat. Dauern die Stromunterbrüche länger, kann dies gar einen mehrstündigen Totalausfall nach sich ziehen. Das war beispielsweise im September 2013 der Fall, als ein landesweiter Blackout ganz Italien lahm legte.

Es ist deshalb wichtig, dass bei Stabilitätsproblemen im europäischen Netz rasch reagiert werden kann. Das Stromnetz sei in den letzten Jahren instabiler geworden, so Wider. Grund dafür sei die fluktuierende Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien wie Solar- oder Windenergie. Sonne und Wind sind unberechenbare Energiequellen, abrupte Produktionsschwankungen wirken sich aufs Netz aus. Nant de Drance und andere grosse Pumpspeicherkraftwerke – etwa in Linthal (Kraftwerke Linth-Limmern AG) und Veytaux (Forces Motrices Hongrin-Léman SA) – können in solchen Situationen schnell Strom entnehmen oder einspeisen und so die Frequenz im Netz konstant halten.  

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Die Kaverne, bereits voll ausgebrochen und beinahe so hoch wie das Bundeshaus, wird dereinst die Turbinen beherbergen.

Wie eine grosse Batterie

Einen Nachteil haben Pumpspeicher­kraftwerke wie Nant de Drance: Sie verbrauchen mehr Energie als sie produzieren. Grund für diese negative Energiebilanz sind die unverrückbaren Grundgesetze der Physik: «Die Newtonschen Gesetze können wir nun einmal nicht aushebeln», sagt Michael Wider. Trotzdem wird das Kraftwerk Nant de Drance über einen ausserordentlich hohen Wirkungsgrad von 80 % verfügen.

Die Rentabilität des Pumpspeicherkraftwerks hängt aber auch von den Strompreisschwankungen ab. Denn es speichert den Strom wie eine grosse Batterie dann, wenn der Bedarf gering und der Preis niedrig ist, und nutzt die gespeicherte Energie zu Spitzenzeiten, wenn der Strom teurer ist.

Nant de Drance sei «ein Meilenstein für die Schweizer Stromindustrie», sagt Michael Widmer. Er sei stolz, am Bau der Kraftwerkanlage, die zu den wichtigsten des Landes gehöre, beteiligt zu sein. Sie werde künftig zu einer sicheren Stromversorgung im Inland beitragen, aber auch mithelfen, die Schweiz zu einem Energiespeicher für Europa zu machen.

JB COMM/ 17.04.14

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Während des Winters, bevor die Teams Nant de Drance wieder auf der Baustelle die Arbeit wieder aufnehmen, sichern die Bergführer die gefährlichen Orte, wie hier über der Staumauer von Vieux-Emosson.

Die Schutz­engel der Bau­stelle

Sieben Walliser Bergführer sorgen dafür, dass die Bauarbeiter in Nant de Drance vor Lawinen geschützt sind. Von März bis Mai behalten sie die Launen der Natur unablässig im Auge. Samuel Lugon-Moulin koordiniert den Bergführereinsatz.

Letzten Winter lag schon am 21. November 2013 Schnee bis ins Tal. Auf der Baustelle Nant de Drance kehrte eine gewisse Winterruhe ein. Für die Bergführer aber, die für die Sicherheit der Bauarbeiter in den lawinengefährdeten Bereichen verantwortlich sind, begann wenige Wochen nach dem Jahreswechsel die Hauptsaison.

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Die Bergführer, die für die Sicherheit der Arbeiter Nant de Drance zuständig sind, führen mehrere wichtige Operationen aus, um das Lawinenrisiko zu beurteilen. An den Hängen oberhalb der Wasserfassung von Emosson, testet Bergführer Xavier Fournier die Schneedeckenstabilität, nachdem er ein stratigraphisches Profil erstellt hat.

Immer auf Pikett

«Mitte Februar begannen wir mit der Überwachung der Baustellenzufahrt. Von März bis Mai waren wir dann jeden Tag von den frühen Morgenstunden bis spät in die Nacht in Bereitschaft. Ein Bergführer war immer auf der Baustelle anwesend. Zwei beobachteten den Zustand der Schneedecke an den Lawinenhängen und führten wenn nötig Lawinensprengungen durch», erzählt Samuel Lugon-Moulin. Der Walliser aus Finhaut ist seit zwanzig Jahren als Bergführer im Einsatz. Er koordiniert ein eingeschworenes Team von erfahrenen einheimischen Bergführern. «Damit man mit dem Druck dieser Aufgabe umgehen kann, muss man sich jederzeit vollkommen auf seine Kollegen verlassen können. In dem Bereich, den wir sichern, tragen wir immerhin die Verantwortung für 80 Menschenleben.»

Neben Samuel Lugon-Moulin gehören Marc Volorio, Raoul Crettenand und Xavier Fournier zum Kernteam. Drei weitere Bergführer, Pierre Darbellay, Stéphane Hottinger und Patrice Exquis, ergänzen das Team bei Bedarf. Die Bergführer verhindern, dass Lawinen niedergehen. Sie überwachen «nicht nur die Verkehrswege und Wohngebiete, sondern ganze Berghänge». Ausserdem zeigen sie den Bauarbeitern, wie sie im Notfall mit Lawinensuchgeräten, Sonden und Schaufeln nach Verschütteten suchen können.

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Abenteuerlust gehört auch dazu

Obwohl es für den Vater von drei Buben nicht immer einfach ist, Beruf und Familie zu vereinen, hat Samuel Lugon-Moulin keine Sekunde gezögert, als er angefragt wurde, ob er das Bergführerteam zum Schutz von Nant de Drance koordinieren wolle. «Man hat mich bereits zu Beginn der Arbeiten im Jahr 2008 kontaktiert. Die Grösse und die Bedeutung des Projekts waren eine besondere Motivation für mich. Es ist eine enorme Herausforderung. Und das praktisch vor meiner Haustüre.» Den Walliser reizte vor allem das Abenteuer, aber auch die Kameradschaft und die Solidarität, die zu so einem Projekt dazugehören. Zwar arbeitet er hauptsächlich mit den Bauleitern der Arbeitsgemeinschaft GMI1 zusammen, doch er hat auch mit den Bauarbeitern zu tun und fühlt sich ihnen verbunden. «Ich denke, dass viele von ihnen ebenfalls die Herausforderung suchen. Sie arbeiten hart, erleben aber auch eine intensive Zeit. Genau wie wir.»

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Der Koordinator der Walliser Bergführer, Lugon Samuel Moulin, bereitet in einem felsigen Bereich oberhalb einer Wasserfassung des Lac d’Emosson eine Sprengung von Schneebrettern vor.

Schnee im Überfluss

In den besonders strengen Wintern 2011 und 2012 waren viele Lawinenspreng­einsätze mit dem Helikopter oder auf Ski nötig. «Alle 10–15 Tage musste die Baustelle geschlossen werden», erinnert sich der Teamleiter. «Für die Arbeiter sind solche Unterbrüche schwierig. Wir bremsen sie damit aus. Nicht selten haben sie drei Tage lang eine Schalung erstellt und dann, gerade wenn sie mit dem Betonieren beginnen könnten, unterbrechen wir die Arbeiten. Aber sie haben unsere Entscheidungen nie in Frage gestellt und sich immer genau an unsere Anweisungen gehalten.»

Auch im Frühling 2013 spielte das Wetter nicht ganz mit. Das Tauwetter wollte einfach nicht kommen. Der Einsatz der Bergführer dauerte plötzlich bis Juni. Der Bergfrühling auf 2000 Metern Höhe ist nicht vergleichbar mit den warmen Frühlingstagen im Tal. «Die Gegend bei Emosson gehört zu den schneereichsten Regionen des Wallis», so Samuel Lugon-Moulin. «Mit dem Anstieg der Temperaturen verliert die Schneedecke im Frühling an Stabilität und es kommt nach den Staublawinen im Winter vermehrt zu Nassschneelawinen. Bis jetzt hatten wir aber zum Glück keine grossen Ereignisse, sondern nur kleinere Probleme.»

Die Arbeit der Bergführer ist für das erfolgreiche Vorankommen der Bauarbeiten für Nant de Drance unabdingbar. Gleichzeitig entsteht durch die täglichen Temperatur-, Luftfeuchtigkeits- und Windmessungen der Bergführer eine nützliche Sammlung von Wetterdaten. «Für das Gebiet La Forclaz gibt es weit zurückreichende Lawinendaten, aber für Emosson hatten wir das bisher nicht. Wir sind nun dabei, eine Dokumentation zu erarbeiten, die uns in Zukunft nützlich sein kann. So können wir Risikosituationen mit ähnlichen früheren Verläufen vergleichen», erklärt Lugon-Moulin den Nutzen einer solchen Datenbank.

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Vier Risikobereiche

Die Bergführer, die in Nant de Drance im Einsatz sind, müssen dafür sorgen, dass die Bauarbeiter so lange wie möglich auf der Baustelle arbeiten können und ihre Sicherheit gewährleistet ist. Sie überwachen vier Abschnitte:

  • Die Zufahrtstrasse bei Finhaut am Südhang des Bel-Oiseau
  • Der Zugang zur Zuleitung West im nördlichen Couloir des Perrons-Trichters
  • Das Lager bei der Zuleitung West, das unter einem steilen Hang liegt
  • Die Wasserfassung am Stausee Emosson ist die kritischste Stelle, denn sie liegt unter einem ausgesetzten Hang, der sich bei Westwindlage sehr schnell erwärmt.

JB COMM/ 21.11.13

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