IM HERZEN DES BERGES

Das Kraftwerk Nant de Drance vereint einzigartige Spitzentechnologie im Herzen des Berges. Die sechs Pumpturbinen neuster Generation werden in der Lage sein, innerhalb weniger Minuten entweder eine Leistung von 900 MW Strom ins Netz einzuspeisen oder Wasser mit 900 MW Leistung hochzupumpen.

So funktioniert's …

Das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance nutzt zur Produktion und Speicherung von Energie das bestehende Gefälle zwischen den beiden Staubecken. Während der Spitzenverbrauchszeiten wird das im Stausee Vieux Emosson gespeicherte Wasser zur Stromerzeugung über zwei 425 m hohe Vertikalschächte in das unterirdische Kraftwerk zu den Turbinen und dann weiter in den Stausee Emosson geleitet.

Bei geringem Strombedarf wird hingegen das Wasser aus dem Lac d'Emosson zurück in den Stausee Vieux Emosson gepumpt. Auf diese Weise ermöglicht das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance die Speicherung von Elektrizität.

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Le parcours de l'eau est le même lors des phases de pompage et de turbinage. Elle passe au travers des mêmes galeries, des mêmes puits et des mêmes groupes hydroélectriques. Les six turbines Francis installées dans la caverne des machines seront réversibles et pourront soit pomper, soit turbiner selon la phase du cycle.

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Die beiden Staubecken

Emosson – unteres Staubecken

Der Stausee Emosson liegt auf 1930 m. ü. M. und wird durch Zuflüsse aus der Schweiz sowie aus dem Mont Blanc-Massiv in Frankreich gespeist. Für den Bau der gewaltigen Staumauer waren über 1 Mio. m3 Beton erforderlich. Emosson ist derzeit nach Grande Dixence das zweitgrösste Staubecken der Schweiz und steht mit der Höhe der Staumauer an fünfter Stelle.

  • Baujahr: 1974
  • Höhe: 180 m
  • Typ: Bogenstaumauer
  • Länge der Krone: 555m
  • Kapazität: 227 Mio. m³
  • Fläche: 327 ha
  • Länge: 4 km
  • Einzugsgebiet: 34.91 km²
  • Betreiber: Electricité d'Emosson SA (Alpiq 50%, EDF 50%)
  • Website: www.emosson.ch

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Vieux Emosson – oberes Staubecken

Der Stausee Vieux Emosson wurde 1955 von den SBB errichtet. Derzeit wird das Wasser in den Stausee Emosson geleitet. Im Rahmen des Projekts Nant de Drance wird die Staumauer von Vieux Emosson um 20 m erhöht. Dadurch wird die Kapazität des Staubeckens verdoppelt.

Das Gebiet um Vieux Emosson ist auch für seine Dinosaurierspuren bekannt.

  • Baujahr: 1955
  • Neue Mauerhöhe: 76.5 m
  • Typ: Bogenstaumauer 
  • Länge der Krone: 205 m
  • Neue Kapazität: 25 Mio m³
  • Fläche: 55 ha
  • Länge: 1,5 km
  • Einzugsgebiet: 4,6 km²
  • Betreiber: Nant de Drance SA

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Leistung und Wirkungs­grad

Das Pumpspeicher­kraftwerk Nant de Drance ist mit sechs Pumpturbinen vom Typ Francis mit einer Leistung von je 150 MW ausgerüstet. Diese leisten zusammen 900 MW und erzeugen jährlich ca. 2500 Mio. kWh Strom mit einer Frequenz von 50 Hz. Die Maschinen können innerhalb von 10 Minuten aus dem Volllast-Pumpbetrieb in den Volllast-Turbinenbetrieb wechseln. Diese hohe Flexibilität ermöglicht eine schnelle Reaktion im Falle eines Spitzenstrombedarfs beziehungsweise ein schnelles Umschalten auf Stromspeicherung – einer der wesentlichen Vorzüge des Projekts Nant de Drance.

Pumpspeicherkraftwerke erzeugen unter dem Strich keine zusätzliche Energie. Die für den Pumpbetrieb benötigte Strommenge ist höher als die im Turbinenbetrieb erzeugte Menge. Dank hochmoderner Technik arbeitet das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance mit einem Wirkungsgrad von mehr als 80 %. Das ist derzeit einer der höchsten Wirkungsgrade in der Stromerzeugung und der Stormspeicherung.

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380-kV-Leitung

Die Inbetriebnahme der Anlage Nant de Drance erfordert einen Ausbau des Höchstspannungs-netzes zwischen Châtelard und dem Rhônetal. Das Projekt sieht vor, einer der beiden bestehenden 220-kV-Stränge durch einen 380-kV-Strang zu ersetzen. Dazu braucht es neue Masten. Das Teilstück Châtelard – La Bâtiaz ist bereits im Bau. Planung und Bau dieser für den Betrieb des Kraftwerks unabdingbaren Stromleitung übernimmt der Schweizer Netzbetreiber Swissgrid. Weitere Informationen zur Höchstspannungsleitung zwischen Châtelard und Rosel erhalten Sie bei: Swissgrid

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Sprengung des Felszapfens des Unterwasserstollens - ein Wettlauf gegen die Zeit

17.03.15, Sicherungsarbeiten im Stollen nach dem Durchstich.

Am 19. März 2015 werden die letzten Felsblöcke zum Durchbruch des Wasserstollens gesprengt. Ein Schieber versperrt dennoch den Zugang; seine Montage hat komplexe Schweissarbeiten erfordert.

Am 19. März wurde eine wichtige Etappe der Baustelle abgeschlossen, dadurch dass der letzte Felsbrocken im Unterwasserstollen gesprengt wurde. Zwei parallele Stollen wurden bereits erstellt, die je drei der sechs Turbinen mit Wasser aus dem Emosson See versorgen sollen. Aus diesem Grund muss ein Schieber eingebaut werden, der den Wasserdurchfluss verhindert, bevor die letzten Felszapfen gesprengt werden. „Sonst fliesst das ganze Seewasser, nämlich gegen 200 Millionen Kubikmeter, bis ins Rhonetal hinunter“, erklärt Gérard Seingre, Oberbauleiter der Nant de Drance. Ein 30m starkes Stück Fels blieb in beiden Stollen bestehen.

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17.03.15, Anbringen des Sprengstoffs für die Sprengung des Stollens.

Beschränktes Zeitfenster

« Die Sprengung eines dieser Felszapfen, nämlich jenes im Unterwasserstollen, ist erfolgreich erfolgt, trotz eines Wettlaufes gegen die Zeit », berichtet Gérard Seingre. Da der Emosson See immerwährend genutzt wird, können die Arbeiten nur bei Niederwasserspiegel erfolgen, d.h. zwischen dem 1. März und dem 20. Mai. «Zu Ende des Winters ist der See nur wenig gefüllt und der Wasserspiegel steigt ab Mitte Mai, wenn die Schneeschmelze einsetzt », führt Gérard Seingre aus. „Wenn man dieses Zeitfenster nicht nutzt, müssen die Arbeiten um ein Jahr aufgeschoben werden.“

Der Wettlauf hat im März 2014 begonnen mit der Installatin des Schiebers in der Unterwasserschieberkammer (KSU genannt). „Es handelt sich um einen zweifachen Schieber, sogenannte Schützen, der einer Guillotine ähnlich sieht“, beschreibt der Oberbauleiter das Objekt. „Diese riesige Vorrichtung besteht aus zwei Stahlplatten von rund einem Meter Dicke, die zig Tonnen wiegen. Deren eine, die während des Betriebes des Kraftwerkes geschlossen werden kann, ist mit Beton beschwert. Die ganze Vorrichtung umfasst 42m Länge.

Das Zusammenbauen dieses Schiebers, welcher vor Ort durch die Firma Hans ERNE Metallbau AG (Unterakkordant von Andritz Hydro) montiert wurde, setzte « komplexe Schweissarbeiten » voraus. Die Schweissnähte mussten streng kontrolliert werden und im Falle eines Mangels neu bearbeitet werden. Danach musste die Panzerung mit Beton hinterfüllt werden. Dies erfolgte etappenweise, damit jede einzelne Schicht etwas abkühlen konnte, bevor die nächste eingebaut wurde. Diese Arbeiten, wie auch alle anderen Baumeisterarbeiten der Baustelle Nant de Drance, wurden der GMI (Groupement Marti Implenia) anvertraut.

„Diese Baustelle hat uns während des ganzen Jahres 2014 viel Arbeit gegeben“, bestätigt der Oberbauleiter, „und wir werden sie bis ca. 15.-20. Mai vollbracht haben. Dann wird der Schieber geschlossen. Anschliessend ist es nötig, zur Abdichtung Injektionen durchzuführen „damit das Wasser des Sees nicht durch Schlitze um den Schieber herum dringen kann.“

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17.03.15, Abdichtungsarbeiten unter Vieux Emosson

Zehn Tage Sprengarbeiten

Der Schieber installiert, konnte mit den Sprengarbeiten begonnen werden. Diese wurden vom Seebecken des Emosson Sees her ausgeführt. Dazu musste zuerst die Zubringerstrasse schneefrei geräumt werden. „Zu Beginn hatten wir Glück, weil die Wetterbedingungen uns günstig gesinnt waren“, erinnert sich Gérard Seingre. „Aber Anfang März tobte ein Schneesturm und die Räumung musste von Neuem begonnen werden. „Wir mussten uns dem Wetter und der Lawinensituation anpassen“, betont der Oberbauleiter mit einem Lächeln. Er ist die unliebsamen Zwischenfälle bei Arbeiten in alpinem Gelände gewohnt.

Die mit Tovex ausgeführten Sprengungen dauerten 10 Tage mit 3m Vortrieb pro Tag. „Am 18. März wurde der Schieber getestet und am darauffolgenden Tag wurden die letzten Felsbrocken, die den Durchfluss verhindern mussten und als „Zapfen“ dienten, gesprengt“, beschreibt ein zufriedener Gérard Seingre, glücklich darüber, dass der Zeitplan eingehalten und der Wettkampf gegen die Zeit gewonnen wurde.

Jetzt bleibt noch das Betonieren des durch diese Sprengungen frei gewordenen Stollenabschnittes. Diese Arbeiten werden momentan ausgeführt. Nächstes Jahr wird dasselbe Prozedere nochmals durchgeführt, um den Zapfen im zweiten Wasserstollen zu sprengen.   

JBCOMM, April 2015

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Die Hauptpartien im Stahlwasserbau

12.02.16, Schweissarbeiten untertag

Ende August 2015 kommt der Stahlwasserbau auf der Baustelle Nant de Drance gut voran. Zur Zufriedenheit des Ingenieurs Thierry Cousot wurde der Zeitplan durch keinerlei technische Schwierigkeiten durcheinandergebracht.

An diesem Nachmittag Ende August 2015 bestätig Thierry Cousot mit einem erleichterten Lächeln: „Um mit einem guten Rhythmus voranzukommen, mussten wir kleine Anpassungen machen, aber im grossen und ganzen sind wir in den gewünschten Fristen.“ Für den Ingenieur und sein Team stellte die Dimension der zu installierenden Teile die grösste Herausforderung dar. In einem Wort zusammengefasst: ENORM.

Am Schachtfuss finden sich Rohre mit 7m Durchmesser! Ein Ausmass, das die Komplexität bei deren Einbau ins Innenleben des Pumpspeicherwerkes erahnen lässt.

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Die Kapriolen des Wetters

„Wir schätzen uns glücklich, bis heute auf keine ausschliesslich technischen Schwierigkeiten gestossen zu sein“, meint Thierry Cousot. In diesem Universum der hochstehenden Wasserkraft „vergeht selten eine Woche ohne unvorhergesehenen Zwischenfall“, bestätigt der Ingenieur. Einer der letzten ereignete sich Ende Juli. Infolge eines starken Gewitters ist Schlammwasser in eine der Wasserfassungen im Vieux Emosson See abgeflossen. Es rann den Vertikalschacht  hinunter.  „In der Montage-Kaverne stand das Wasser ca. 70cm hoch, sodass die Arbeiten auf dem ganzen Areal unterbrochen werden mussten. Die Schweissgeräte und die Heizmatten fürs Schweissen standen unter Wasser. Der Schutzdamm am Einlaufbauwerk war für ein solches Ereignis nicht konzipiert. Wie so oft fiel dieser Vorfall auf einen Freitagabend.

Dieses schlechte Timing hatte trotzdem keine weiteren gravierenden Auswirkungen. Die Einsatzleute vor Ort haben gut reagiert. Sie schlugen sofort Alarm um einen wirkungsvollen Einsatz einzuleiten. Von Anfang an konnten Wasser, Dreck und Steine weggeschafft werden. Das beschädigte Material wurde von den Versicherungen vergütet und konnte rasch ersetzt werden.

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12.02.16, Teil des Schachtfusses

Zwei heikle Sektoren

Der Erfolg des Fortschreitens der Arbeiten hängt in erster Linie von zwei heiklen Sektoren ab: demjenigen der oberwasserseitigen Drosselklappe und demjenigen der Schützen im Unterwasserbereich. Letztere wurden im Frühling notfallmässig geschlossen, als der Wasserspiegel des Emosson Sees plötzlich anstieg.

Die Schieberbereiche stellen während des Auffüllens des Beckens eine echte organisatorische Herausforderung dar, da die Interventionsfenster extrem kurz sind.

In der Tat wurde für die Erhöhung der Staumauer Vieux Emossen der See entleert. Er wird 2017 wieder gefüllt werden für die Testphase der Pumpturbinen. Der unten gelegene Emosson See hingegen wird ständig genutzt. Diesen Frühling wurde sein Wasserspiegel abgesenkt, um den Felszapfen in einem der beiden Wasserstollen zu sprengen, die das Wasser zu den Turbinen leiten. Dieser Vorgang wird 2016 wiederholt, wenn der zweite Felszapfen gesprengt wird. Die Abschnitte der Drosselklappen und Schützen müssen somit rechtzeitig fertiggestellt sein, damit das Einstauen der Seen wie vorgesehen erfolgen kann.

Dennoch stossen die Stahlwasserbauer Mitte September auf Schwierigkeiten bei der Montage der Oberwasserschieber. „Wir riskierten eine Verzögerung von einem bis zwei Monaten“, erklärt Thierry Cousot. „Dies wird kaum Einfluss auf die Grobplanung haben, aber auf das Einstauen des Vieux Emosson Sees. Die Testläufe der ersten Maschine würden vielleicht behindert und müssten dieser Situation angepasst werden.“

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12.02.16, Arbeiten am Vertikaldruckschacht.

Wechselweise Arbeiten

Eine weitere Knacknuss : Das wechselweise Arbeiten der Stahlwasserbauer und der Tunnelbauer, weil die Stahlrohre teilweise im Beton festsitzen. Die Panzerung des zweiten Unterwasserschiebers wurde Ende August 2015 fertiggestellt. Der Stab wurde an die Betonspezialisten weitergereicht, die darauf weitere 5 Monate betonierten. Die eigentlichen Schieber werden im Laufe des Monats März 2016montiert. Das Erstellen der Druckstollen ist eine weitere Quelle de Zufriedenheit, denn sie schreitet voran. Der erste Krümmer am schachtfuss ist fertig, der zweite bald. Die erste Oberwasserverzweigung ist begonnen. Und im Unterwasserbereich ist ein Abzweiger vollendet und der zweite im Bau. Im Moment ist fast die Hälfte der Panzerungsarbeiten ausgeführt. Die Einlaufrechen werden in Vieux Emosson im Frühjahr 2016 installiert.

Zu erwähnen ist noch das Platzieren der 6 Saugrohre der Turbinen, welches im Februar 2015 beendet wurde. Für 2016 stehen das Einbetonieren und Hinterfüllen der Stahlrohre am Schachtfuss an.    

JBCOMM, Oktober 2015

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Elektrische Stromversorgung der Baustelle

Reger Betrieb in der Hauptkaverne

Oft gerät in Vergessenheit, dass ohne Strom auf der Baustelle Nant de Drance nichts möglich wäre. Für den Bauherrn stellen das Installieren und Aufrechterhalten der Stomversorgung der unterirdischen Stollen und verschiedenen Gebäude von Châtelard eine echte Herausforderung dar. 

Wenn man die Baustelle Nant de Drance erwähnt, denkt man gleichzeitig an die Ausbrucharbeiten und an die Maschinen, die sich durch den Berg fressen. Andererseits vergisst man die wichtige Rolle, die die elektrische Stromversorgung während den Bauarbeiten einnimmt. Diese Einrichtungen sind jedoch unerlässlich. « Beim Bau eines Hauses wird jeweils zuerst ein Stromverteilungskasten installiert », meint Florian Brantschen, Verantwortlicher für Elektrotechnik der Nant de Drance SA, « denn bereits die erste Belegschaft auf einer Baustelle benötigt Strom. »

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Umladevorgang eines Turbinensaugrohres

Beleuchten, heizen, lüften, Maschinen betreiben

Strom – das verbraucht der Bau des zukünftigen Pumpspeicherwerks Nant de Drance in rauen Mengen ! Auf der Hauptbaustelle bewirkt er das Laufen der Motoren wie auch der Lüftung und der Beleuchtung der Stollen und Kavernen. Auch das Kieswerk in Trient (welches einen Grossteil des Ausbruchmaterials, das zur Betonkiesgewinnung dient, wiederverwendet) sowie die Baustelle zur Staumauererhöhung Vieux Emosson brauchen Strom.

In Châtelard gilt es auch die Büroräumlichkeiten der Bauleitung Nant de Drance und der Bauunternehmung GMI (Groupe Marti Implenia) zu beleuchten und zu heizen, ohne die Gebäude der Kantine und die Arbeiterwohnungen zu vergessen. «Das Arbeiterdorf beherbergt 4oo Bewohner und im Winter spenden die Heizungen ausreichend Wärme », bemerkt Stéphane Claivaz, Koordinator Betrieb Nant de Drance.

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Containerblock als Arbeiterdorf

Verbrauch von etwa 4000 Einwohnern

Der Gesamtverbrauch variiert von Jahr zu Jahr den ausgeführten Arbeiten entsprechend, bleibt aber beachtlich hoch. Florian Brantschen berichtet:  « 2012 betrug der Verbrauch 16 GWH (Gigawattstunden), was dem gesamten Verbrauch der etwa 4 Gemeinden des Trienttals entspricht (Vernayaz, Salvan, Finhaut und Trient), die 3800 Einwohner umfassen.

Dieser, durch den SEIC verteilte Strom stammt aus dem Haushalts- und Industriestromnetz, welches nicht für die Versorgung einer solch grossen Baustelle konzipiert wurde. Vor Baubeginn musste der Bauherr die Verstärkung des Stromnetzes des Trienttals finanzieren. In der Tat musste sichergestellt werden, dass der Baustelle genügend elektrische Energie zur Verfügung stehen werde und dass den Einwohnern von Finhaut und ihren Nachbarsgemeinden nicht das Licht ausgehe.

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Kilometerweise Kabel

Zuerst musste der elektrische Strom an verschiedene Bezugspunkte der Baustelle gelangen. Ausschliesslich im Zuge der Vortriebsarbeiten wurde er ins Stollensystem geführt. Das bedeutet, kilometerweise Kabel zu verlegen und Transformatoren sowie Verteilerkasten und Ausrüstung zu installieren, um den Strom bis zum Verbraucher zu leiten.

Im Übrigen wurde im Freien der Strom für die Baustelle in bestimmten Abschnitten via Freileitungen geführt. « Im Winter reichte manchmal ein Tannenzweig aus, um alle Arbeiten auf der Baustelle lahm zu legen. »

Trotz einiger kleiner Zwischenfälle ist laut Florian Brantschen alles reibungslos verlaufen. Florian Brantschen bestätigt, dass sich keine nennenswerte Panne ereignet hat.

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Übergangsphase

Die für die Stromversorgung Verantwortlichen und ihre Logistik-Kollegen werden mit einer wichtigen Übergangsphase konfrontiert. Das interne elektrische Netz, welches von der Bauunternehmung GMI für die Ausbrucharbeiten installiert wurde, muss grösstenteils ersetzt werden, um den Bedürfnissen der Monteure der Elektromechanik (Turbinen etc.), welche nun folgt, gerecht zu werden.

Es muss auch schon an das definitive Stromnetz gedacht werden, « das das zukünftige Pumpspeicherwerk ab 2016/2017 versorgen wird. » Um letzteres zu installieren müssten elektrische Anlagen ersetzt werden, z.B. wird man die Kabel durch « leichtere ersetzten, die zum Schutz einbetoniert werden. » Gemäss Stéphane Claivaz und Florian Brantschen ist diese Aufgabe bei weitem nicht abgeschlossen.

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Ausbruch des Schachtes : ein komplexes Vorgehen

Vertikalansicht eines der beiden Schächte. Das Fallenlassen eines Gegenstandes wäre für die darunter Arbeitenden tödlich.

Zwei vertikale Schächte leiten das Wasser von den Seen zu den Turbinen. Für ihren Bau mussten 425m Fels durchbohrt werden. Die Aufgabe war heikel und ist gelungen!

Die Schächte stellen Kernbauwerke des Pumpspeicherwerkes Nant de Drance dar. In der Tat wird durch diese zwei Vertikalschächte das Wasser vom Vieux Emosson See in die Turbinen stürzen und diese zum Drehen bringen, bevor es in den unter Wasser liegenden Emosson See fliesst. Ebenfalls durch diese Schächte wird das Wasser beim Pumpen die entgegengesetzte Richtung einschlagen. Der Bau dieser 425m hohen Schächte mit 7m Durchmesser stellt eine grosse Herausforderung dar. « Das ist keine alltägliche Arbeit », meint der Oberbauleiter Gérard Seingre.

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Vertikalansicht eines der beiden Schächte. Das Fallenlassen eines Gegenstandes wäre für die darunter Arbeitenden tödlich.

Ein Ausbruch in drei Schritten

Die erste Schwierigkeit liegt darin, dass das Bauwerk vertikal ist. « Man muss extrem vorsichtig arbeiten, denn das Fallenlassen eines Gegenstandes kann für die unterhalb Arbeitenden tödlich enden. «  Im Weiteren muss eine enorme Menge an Energie aufgewendet werden, wenn von oben nach unten ausgebrochen wird. Aus diesem Grund hat der Bauherr das Ausbruchverfahren raise-drill gewählt. Das Ausbrechen wird in drei Schritten durchgeführt, die den Schacht sukzessive verbreitern.

Die erste Phase besteht darin, eine Bohrung von 30cm Durchmesser auszuführen. Es handelt sich um dieselbe Technik wie bei Ölbohrungen, bis auf den Unterschied, dass das verwendete Bohrgestänge genau vertikal bohren muss, was ausserordentliche Präzision voraussetzt. Das Ziel wurde erreicht, betrug doch die Abweichung am Ende nur 20cm auf 400m, was einer Genauigkeit von 0.5 auf 1000 entspricht.

In der zweiten Phase wird dieser erste Schacht von unten her mit Hilfe eines am Bohrgestänge angebrachten Tunnelbohrkopfes auf 2.5m Durchmesser erweitert.

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Es wird ohne Unterbruch betoniert um Schwachstellen in Form von Fugen zu vermeiden.

Betonieren ohne Unterbruch

Dann folgt der dritte Schritt: Der Schacht wird im Sprengverfahren auf einen Durchmesser von 7m erweitert. « Die Mineure brechen 5m pro Tag aus. Sie arbeiten auf einer mit den nötigen Hilfsmitteln ausgerüsteten Hebebühne. Die Hauptschwierigkeit besteht darin, nicht in den Schacht zu stürzen. »

Im Zuge der Vortriebsverfahren schaffen die Arbeiter das gröbere und feinere Ausbruchmaterial mit einem Pneulader weg. Jetzt bleibt nur noch das Betonieren der Ringstruktur. Dies erfolgt ohne Unterbruch, damit sich keine Fugen als Schwachstellen bilden können. « Die Arbeiter waren während drei Monaten Tag und Nacht pausenlos im Einsatz und so konnten 425m ohne Unterbruch betoniert werden. » 

Letzter Akt: Ein Gemisch aus Zement und Wasser wird zwischen Fels und Beton injiziert, damit der Beton satt an der Felswand liegt.

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Verzögerung der Arbeit durch Radioaktivität

Der Bau des ersten Schachtes ist vollendet und ist « reibungslos verlaufen », freut sich der Oberbauleiter. Eine kleine Gesteinsmenge hat sich jedoch als radioaktiv erwiesen. « Ich habe den sofortigen Baustopp eingeleitet und die SUVA kontaktiert… » erinnert sich Gérard Seingre. Um einen Hautkontakt mit dem Fels zu vermeiden, haben wir entschieden, eine 7-8cm dicke Spritzbetonschicht aufzutragen, die Stahlfasern enthält, was das Einbauen von Armierungseisen erübrigt. Dies hat die Radioaktivität auf eine akzeptable Dosis verringern lassen. »

Eine letzte Klippe muss aber noch umschifft werden, bevor die Stahlwasserbauer zum Einsatz kommen werden, um am Schachtkopf und –fuss die Stahlrohre anzubringen : Wasser dringt durch kleine Ritzen im Beton ein und tropft dem Schacht entlang. « Wir sind daran, ein Zeltdach zu errichten, um die Arbeiter zu schützen und die Schweissarbeiten aufrecht zu erhalten », erklärt Gérard Seingre. Nach Inbetriebnahme der Anlage wird dieser feine Niederschlag keine Probleme mehr bereiten, zumal riesige Wassermassen durch die Schächte tosen werden.

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